Wien. Das Budgetdefizit 2015 ist geringer als ursprünglich erwartet: Es sank auf 1,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes bzw. 3,9 Mrd. Euro. Ohne die Ausgaben für das Bankenpaket wäre das Defizit bei nur 0,5 Prozent gelegen, gab die Statistik Austria am Donnerstag bei der Präsentation der Öffentlichen Finanzen 2015 bekannt. Das wäre der niedrigste Wert seit dem EU-Beitritt Österreichs, wie Generaldirektor Konrad Pesendorfer sagte.

Mit 1,2 Prozent lag das Defizit deutlich unter jenem des Jahres 2014 (2,7 Prozent) und sogar leicht unter den im Bundesvoranschlag des Finanzministeriums erwarteten 1,4 Prozent. Die Hauptgründe für die gute Defizit-Entwicklung liegen laut Statistik-Austria-Direktor Pesendorfer sowohl auf Einnahmen- als auch auf Ausgabenseite: Bei den Einnahmen seien einerseits die Effekte der sogenannten "Kalten Progression" zu spüren, andererseits habe es Vorzieh-Effekte aufgrund der Erhöhung bei der Kapitalertragssteuer gegeben. Auch gab es eine "sehr restriktive Ausgabenpolitik". Und die Ausgaben für die Bankenpakete waren niedriger als zuvor.

Strukturelles Nulldefizit wird sicher erreicht

Das sogenannte "strukturelle Nulldefizit" wird laut Statistik-Generaldirektor Konrad Pesendorfer 2015 sicher erreicht. Zwar berechnet die Statistik-Behörde diese Kennzahl nicht selbst, mit den nun vorliegenden Daten sei aber davon auszugehen, dass man unter den vorgeschriebenen 0,45 Prozent des BIP liegt.

Das strukturelle Defizit ist ein um Einmaleffekte und Konjunkturschwankungen bereinigtes Defizit. Um als "strukturelles Nulldefizit" zu gelten, darf diese Kennzahl in Österreich in der Regel nicht mehr als 0,45 Prozent des BIP betragen. Berechnet wird dies vom Wirtschaftsforschungsinstitut.

Gefragt, ob sich - wie von Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP) im Herbst des Vorjahres als langfristiges Ziel für das Jahr 2019 angepeilt - ein "echtes" Nulldefizit (nach Maastricht) realistisch erscheint, sagte Pesendorfer, angesichts dessen, dass man trotz der schlechten Konjunkturlage bereits im Jahr 2015 ein Defizit von 1,2 Prozent des BIP erzielt habe, sei das durchaus möglich. Gleichzeitig verwies er auf zahlreiche Unsicherheiten - so sei dies von der Konjunkturentwicklung abhängig, aber auch davon, wie hoch etwa die Kosten zur Bewältigung der Flüchtlingsströme ausfallen werden.

Flüchtlingshilfe bleibt unbekannte Größe

Zu eben diesen Ausgaben konnte die Statistik-Behörde für das Jahr 2015 keine exakten Angaben liefern. Es sei sehr schwer, die Kosten für die Migrationsbewegung herauszurechnen, betonte Pesendorfer. Fix sei, dass diese Ausgaben "nicht spielentscheidend" für das Budget gewesen seien. Auf Nachfrage meinte er, die Kosten dürften bei in etwa 500 Mio. Euro gelegen sein. Auf Prognosen für die kommenden Jahre wollte er sich nicht einlassen.

Hohe Schuldenquote wegen der Bankenkrise

Das Bankenpaket hatte im Jahr 2015 einen Anteil von 2,2 Mrd. Euro am insgesamt 3,9 Mrd. Euro schweren Defizit. Die Ausgaben für die Bankenhilfen betrugen laut Statistik Austria 2,7 Mrd. Euro, die Einnahmen (Dividenden und Zinseinnahmen) rund 600 Mio. Euro. Damit hob das Paket das gesamtstaatliche Maastricht-Defizit von gut 0,5 Prozent des BIP um mehr als 0,6 Prozentpunkte auf knapp 1,2 Prozent.

Ohne die Sondereffekte des Bankenpaketes wäre auch die Schuldenquote deutlich niedriger - und seit 2013 sogar rückläufig gewesen: Die Schuldenquote wäre von 78,6 Prozent des BIP im Jahr 2013 auf 77,5 Prozent im Jahr 2015 gesunken. Durch die Bankenhilfen lag die Schuldenquote hingegen 2015 bei 86,2 Prozent des BIP.

In absoluten Zahlen betrug der gesamtstaatliche Schuldenstand (nach Maastricht) 2015 damit 290,7 Mrd. Euro (nach 277,4 Mrd. Euro im Jahr 2014). Ohne die Abbaueinheiten (Hypo/HETA, KA Finanz und die Volksbanken-Bad Bank Immigon) wäre diese Kennzahl um 29,4 Mrd. Euro niedriger ausgefallen.

Den Löwenanteil an den 29,4 Mrd. Euro Schuldenstand hatte 2015 die HETA mit 15,3 Mrd. Euro, gefolgt von der KA Finanz mit 11,9 Mrd. Euro und der Immigon mit 2,3 Mrd. Euro.