Und Letztere sind tatsächlich positiv überrascht: "Wir haben mit Rewe bei der Entwicklung zusammengearbeitet, und es wurden sicher 70 Prozent unserer Vorschläge umgesetzt", berichtet Scheuer. Auch wenn manche Probleme wie etwa die Greifhöhe auch in dieser Filiale mit dem Arbeitstitel "Billa ohne Grenzen" immer noch vorhanden sind. "Aber ich kann natürlich nicht von einem Supermarkt verlangen, alle Güter auf maximal 1,50 Meter Höhe zu platzieren. Das wäre nicht wirtschaftlich", sagt die Behindertenvertreterin, die selbst im Rollstuhl sitzt. Nur für die Obstwaage hätte sie sich einen Schwenkschirm gewünscht. "Hier sind wir noch in Verhandlungen mit Billa."

51 von 1050 Billa-Standorten immer noch nicht barrierefrei


Begleitet wird die "erweiterten Barrierefreiheit" bei Billa von Mitarbeiterschulungen im Umgang mit gehörlosen, blinden und gehbehinderten Kunden. Nagele gibt aber gleichzeitig zu, dass 51 Filialen immer noch nicht barrierefrei sind. "Das sind bauliche Themen, die aus unterschiedlichen Gründen schwer zu lösen sind, etwa weil wir keine Umbaugenehmigung bekommen. Manches ist auch technisch gar nicht lösbar. Das sind Standorte, die wir auf lange Sicht zusperren müssen."

Eine Sicht, die Buchinger nur bedingt teilt: "Wenn ein Umbau nicht möglich oder zumutbar ist, kann man sogar laut Gesetz in Einzelfällen auf die Barrierefreiheit verzichten. Aber auch wenn es mühsam ist, muss man daran arbeiten. Es gibt ja auch andere Lösungen. In Italien zum Beispiel sieht man oft Treppenlifte als Alternative zu Rampen." Die neue Billa-Filiale überzeugt ihn jedenfalls voll und ganz. Nachsatz: "Das hätte man auch schon ein paar Jahre früher haben können. Aber besser spät als gar nicht."