Wien. Es war eine Bieterschlacht, die es in dieser Form an der Wiener Börse noch nie gegeben hatte. Wochenlang stritten sich im Vorjahr die Immobilienkonzerne Immofinanz und CA Immo, wer am Ende wen schluckt und damit ein Unternehmen mit einem Immobilienvermögen von rund zehn Milliarden Euro kontrolliert. Letztlich scheiterte die kleinere CA Immo mit ihrem Offert für eine substanzielle Beteiligung an der Immofinanz als Vorstufe zu einer späteren Fusion. Die Immofinanz blies daraufhin ein geplantes Gegenangebot für einen größeren Minderheitsanteil an der CA Immo wieder ab. Womit ab Mitte April 2015 Waffenruhe herrschte.

Seither ist ein Jahr vergangen, beide Konzerne haben mittlerweile neue Chefs, die früheren Streitigkeiten sind vergessen, und das Projekt einer Fusion wird nun doch angegangen. Wie CA Immo und Immofinanz am Montag mitteilten, sieht der Fahrplan für den "vollständigen Zusammenschluss" vor, dass es damit im kommenden Jahr soweit sein soll. Die Fusion soll jährlich Einsparungen von 33 Millionen Euro bringen - vor allem bei den betrieblichen Kosten, aber auch bei Finanzierungskonditionen.

"Portfolios ergänzen sich"


Durch die Verschmelzung von CA Immo und Immofinanz entstünde ein Unternehmen mit einem Börsenwert von 3,8 Milliarden Euro (auf Basis aktueller Aktienkurse). Sein Immobilienvermögen läge in Summe bei 9,5 Milliarden Euro - wovon zwei Drittel auf Büroimmobilien entfielen und das restliche Drittel auf den Handel.

Ein großer Teil der Immobilien, die CA Immo und Immofinanz in ihrem Portfolio halten, befindet sich in Österreich und Deutschland, genau genommen 41 Prozent. Beide Konzerne sind daneben auch prominent in Osteuropa engagiert. In Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und Rumänien seien Immofinanz und CA Immo "klarer Marktführer bei Büroimmobilien", wie es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien hieß.

"Die Portfolios beider Firmen ergänzen sich äußerst vorteilhaft", so Immofinanz-Chef Oliver Schumy. "Mit dem Zusammenschluss entsteht ein führendes Immobilienunternehmen in Zentral- und Osteuropa." CA-Immo-Boss Frank Nickel sprach von "substanziellen Synergien". Und CA-Immo-Präsident Wolfgang Ruttenstorfer, einst OMV-Chef, erklärte: "Wir sind der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Transaktion gekommen ist."

Immofinanz steigt groß ein


Den ersten Schritt für die geplante Vollfusion hat die Immofinanz bereits getan. Sie gab am Montag bekannt, mit dem russischen Immobilien-Tycoon Boris Mints, dem bisherigen Kernaktionär der CA Immo, vereinbart zu haben, dessen 26-Prozent-Anteil für 604 Millionen Euro zu kaufen. Miterworben werden auch vier Namensaktien, die mit dem jeweiligen Recht ausgestattet sind, ein Mitglied in den CA-Immo-Aufsichtsrat zu entsenden.

Finanzieren will die Immofinanz ihren Einstieg über Kredite und eine Wandelschuldverschreibung. Mit dem Closing, dem Vollzug des Deals, rechnet die Immofinanz für den heurigen Sommer (unter anderem fehlt die Zustimmung der Wettbewerbshüter).

Vor dem vollständigen Zusammenschluss - aufnehmende Gesellschaft wäre die Immofinanz - will diese noch ihr Portfolio bereinigen. Geplant ist, die problematischen Russland-Immobilien entweder an die Immofinanz-Aktionäre abzuspalten oder an Investoren zu verkaufen. Zuletzt musste die Immofinanz ihre russischen Objekte um 400 Millionen Euro weiter abwerten, was ihr in den ersten drei Quartalen 2015/16 dreistellige Millionenverluste einbrockte.

Für die Fusion, für die nun die Detailgespräche beginnen, braucht es in den jeweiligen, voraussichtlich im kommenden Jahr stattfindenden Hauptversammlungen von Immofinanz und CA Immo das Okay von mindestens 75 Prozent der Stimmen.