• vom 20.05.2016, 15:52 Uhr

Österreich

Update: 20.05.2016, 15:59 Uhr

Glücksspielbranche

Von der Jagd auf Betreiber illegaler Glücksspielautomaten




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  • Spielerschützer Schmidt, auch im Namen von Novomatic aktiv, deckt Betreiber mit Anzeigen ein.



Wien/Gumpoldskirchen. (apa/red) Trotz Totalverbots in einigen Bundesländern floriert das Automatenglücksspiel. Aktuell gibt es fast 1500 illegale Geräte in Österreich, hat Spielerschützer Gert Schmidt erhoben. Er macht seit Jahren auch im Namen des Glücksspielkonzerns Novomatic Jagd auf unkonzessionierte Anbieter und deckt sie mit Anzeigen ein. Novomatic klagt sie dann.

Schmidt hat sich dem Kampf gegen das illegale Glücksspiel verschrieben und betreibt die Plattform spieler-info.at. Sieben Mitarbeiter beschäftigt der Branchenkenner. "Davon sind drei permanent im Außendienst und fahren ganz Österreich inkognito ab", sagt Schmidt.


"Spielhöllen"
Die illegalen Standorte werden akribisch dokumentiert. 283 "Spielhöllen" macht spieler-info derzeit aus, die meisten davon in Oberösterreich (96), der Steiermark (55) und Kärnten (30). In diesen Lokalitäten stehen insgesamt 1455 Geräte, auch hier führt Oberösterreich (487), gefolgt von der Steiermark (293) und Kärnten (194). In Niederösterreich, dem Heimatbundesland von Novomatic, gibt es "nur" 87 Geräte.

In Wien dürfte das Verbot, das seit Anfang 2015 in Kraft ist, hingegen greifen: Nur noch 34 illegale einarmige Banditen haben Schmidt und seine Mitarbeiter im Mai in der Hauptstadt ausfindig gemacht.

Das Automatenzocken ist aber nicht nur in Wien untersagt. Auch Vorarlberg, Salzburg und Tirol erlauben das sogenannte kleine Glücksspiel nicht, dennoch kommen die westlichen Bundesländer nach Schmidts Zählung zusammen auf 351 Automaten. In den anderen Bundesländern - OÖ, NÖ, Steiermark, Kärnten und Burgenland - dürfen nur konzessionierte Anbieter Automatenspiel anbieten. Die meisten bisher vergebenen Lizenzen hat die Novomatic-Tochter Admiral inne.

Als Handlanger von Novomatic will sich Schmidt auf keinen Fall sehen. "Die Illegalen versuchen permanent, mich als verlängerten Arm oder Lobbyisten von Novomatic darzustellen", sagt er. Er habe seine Plattform spieler-info 2006 aus eigener Initiative gestartet, wenngleich er Novomatic-Eigner Johann Graf seit der Gründung des Glücksspielkonzerns kenne. "Ich bin mit ihm befreundet. Auch mit Leo Wallner (dem langjährigen Chef der Casinos Austria, der vergangenen Sommer 79-jährig verstorben ist, Anm.) war ich sehr gut bekannt."

Seit der viel kritisierten Novellierung des Glücksspielgesetzes 2010 sei die Arbeit schlagartig mehr geworden. "Einer der wichtigsten Pfeiler der Konzessionsvergabe ist die Pflicht des Staates, Spielsucht, Betrug und Geldwäsche zu bekämpfen. Auch die Konzessionäre sind verpflichtet, mit einem glaubwürdigen Spielerschützer zusammenzuarbeiten."

Genau aus diesem Grund kooperiere Novomatic seit mehreren Jahren mit ihm, so Schmidt. "Wir verrechnen die Fremdkosten weiter. Aufs Jahr gerechnet sind es sicher ein paar hunderttausend Euro. Teilweise arbeiten wir mit Detektiven, und immer mit Rechtsanwälten."

7000 Euro pro Monat
Ein Geschäft sei die Jagd auf die Illegalen aber "im Großen und Ganzen nicht", sagt Schmidt. Einige wenige Jahre habe er für seine Arbeit auch vom teilstaatlichen Casinos-Austria-Konzern - in der Ära Wallner - Geld bekommen. An Novomatic sei er zwecks finanzieller Unterstützung 2010 herangetreten. Schmidt bringt in jedem einzelnen Fall Anzeigen ein - über tausendmal hat er sich zuletzt an die Behörden gewandt. Zuerst übermittelt er seine Dokumentationen über den Standort an die Finanz, später an die zuständige Verwaltungsstrafbehörde (Bezirkshauptmannschaft oder Polizeidirektion). Auf Basis der entsprechenden Unterlagen bringe dann Novomatic Klagen nach dem Unlauterer-Wettbewerbs-Gesetz (UWG) gegen die illegalen Konkurrenten ein, so Schmidt.

Die UWG-Klagen hätten den "Vorteil", dass sie den Illegalen finanziell wehtun. Wenn Novomatic vor Gericht siegt, verfüge dieses Beugestrafen von bis zu einer Million Euro. Wenn die Verurteilten also trotz Verbots weiterspielen, müssen sie zahlen. Vielen "Häuptlingen", wie Schmidt die Hintermänner nennt, sei das aber egal. "Die spielen mitunter munter weiter." Laut Schmidt bringt ein illegaler Automat im Monat rund 7000 Euro ein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-05-20 15:56:07
Letzte Änderung am 2016-05-20 15:59:03



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