Auch die Europäische Kommission hat das Potenzial des Digital-Health-Booms erkannt. Laut EU-Kommission werden Mobile-Health-Dienste in Zukunft eine große Rolle in den europäischen Gesundheitssystemen spielen. Da Gesundheits-Apps viele personenbezogene Daten wie Identität, sportliche Aktivität oder Medikamenteneinnahme sammeln können, weist die EU-Kommission zugleich auf die Notwendigkeit eines umfassenden Datenschutzes hin. "Apps sind eines der größten ‚Einfallstore‘ für Unternehmen, die persönliche Daten über Nutzer sammeln", warnt Wolfie Christl vom Wiener Forschungsinstitut Cracked Labs. Er hat Ende 2014 im Auftrag der Arbeiterkammer die Studie "Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag" veröffentlicht und dabei auch Gesundheits-Anwendungen unter die Lupe genommen: "Mit Fitness-Trackern oder -Armbändern überwachen sich Konsumenten im Dienste ihrer Gesundheit nicht nur selbst, sondern liefern auch Facebook-Freunden und Firmen Daten über Puls, Schlaf und Gewicht."

Sportliche zahlen weniger für die Krankenversicherung


Das weckt seitens der Unternehmen jede Menge Begehrlichkeiten. Christl: "Die meisten Anbieter von derartigen Geräten und Apps arbeiten momentan wie wild an ihren zukünftigen Geschäftsmodellen, kooperieren im Rahmen von betrieblichen Vorsorgeprogrammen mit großen Unternehmen und verhandeln mit Versicherungen."

So wirbt der US-Marktführer bei Fitnessarmbändern Fitbit mit Angeboten für Versicherungen und arbeitet im Rahmen betrieblicher Gesundheitsprogramme bereits mit vielen großen Unternehmen zusammen. "Bei der US-Firma Appirio stellen etwa tausend Angestellte freiwillig ihre mit Fitbit gemessenen Gesundheitsdaten zur Verfügung. Die Firma konnte dadurch mit der betrieblichen Krankenversicherung eine jährliche Ermäßigung von 300.000 US-Dollar ausverhandeln", weiß Christl.

Auch Angestellte des Ölkonzerns BP werden dazu angehalten, mit Fitbit eine Million Schritte pro Jahr zu erreichen - dadurch können sich Mitarbeiter 1200 US-Dollar an jährlicher Krankenversicherungsprämie ersparen. "Das ist ein durchaus starker Anreiz", gibt Christl in seiner Studie zu bedenken. "Es bedeutet umgekehrt aber auch: Wer nicht teilgenommen oder das ‚spielerische‘ Ziel nicht erreicht hat, wird bestraft und bezahlt spürbar mehr."