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Wien. Ob Massentierhaltung oder pestizidbelastetes Gemüse - die fragwürdigen Produktionsbedingungen der konventionellen Lebensmittelindustrie sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Da verwundert es wenig, dass die Österreicher vermehrt zu biologischen Nahrungsmitteln greifen. Und nicht nur das. "Die Konsumenten wollen nicht nur wissen, woher ihre Lebensmittel kommen, sondern auch von wem und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Also kaufen sie immer häufiger direkt beim Bauern", erklärt Markus Leithner, Sprecher des Verbands Bio Austria. Um diesen Trend zu unterstützen, hat Bio Austria - mit 12.500 Mitgliedern der größte Bio-Verband Europas - die Online-Plattform www.biomaps.at eingerichtet, auf der Konsumenten regional nach bäuerlichen Produzenten und Produkten suchen können.

"Wir möchten damit Konsumenten und Landwirtschaft österreichweit zusammenführen. Denn der direkte Austausch ist heute wichtiger denn je, um die Vorzüge der bäuerlichen Familienbetriebe und unserer Produkte zu kommunizieren", sagt Gertraud Grabmann, Obfrau von Bio Austria. Die Konsumenten ersparen sich durch "Biomaps" mühsame Eigenrecherchen, und für die bäuerlichen Produzenten ergibt sich ein zusätzlicher Vertriebskanal. Eine willkommene Erleichterung, denn die Direktvermarktung ist mehr denn je ein hartes Geschäft.

Standbein Direktvermarktung


Der Produktionswert in der Direktvermarktung betrug 2014 insgesamt 169 Millionen Euro, davon entfallen ein Viertel auf Heurige oder Buschenschanken und drei Viertel auf die Direktvermarktung. 36.000 Betriebe, das sind 27 Prozent aller heimischen Landwirte, vermarkten einen Teil ihrer Produkte derzeit selbst und erwirtschaften so durchschnittlich 34 Prozent ihres landwirtschaftlichen Einkommens. Bei den Biobetrieben ist sogar jeder dritte Biobauer auch Direktvermarkter. Ab Hof verkauft werden sowohl Urprodukte wie Obst, Gemüse, Eier und Milch als auch Verarbeitungserzeugnisse wie etwa Fleisch, Säfte und Marmeladen.

"Rund die Hälfte der Ab-Hof-Lieferanten erwirtschaften etwa 50 Prozent ihres Einkommens als sogenannte Intensiv-Direktvermarkter", erläutert Martina Ortner, Referentin für Direktvermarktung in der Landwirtschaftskammer Österreich. Während seit dem Jahr 2010 der Anteil der extensiven Direktvermarkter zurückgegangen ist, hat sich der Anteil dieser Intensiv-Direktvermarkter auf mittlerweile 13 Prozent erhöht. "Man kann sagen, die Direktvermarktung wird zunehmend g’scheit oder gar nicht gemacht", schildert Ortner den Trend zur Professionalisierung. Dabei bedeutet der Verkauf ab Hof oder auf dem Bauernmarkt in erster Linie eine hohe Arbeitsbelastung.