Wien. Der börsenotierte Mautsystem-Anbieter Kapsch TrafficCom hat im Geschäftsjahr 2015/16 ein Rekordergebnis erzielt. Das Wachstum kam vor allem aus dem Auslandsgeschäft, die Aktionäre profitieren davon in Form einer Rekorddividende.

In Europa würden innovative Projekte unter anderem durch Neid blockiert, so Konzernchef Georg Kapsch am Mittwoch vor Journalisten. So gebe es im weltgrößten Mautmarkt USA auf einigen Strecken eigene Fahrstreifen für zahlende Autofahrer, die sich dadurch Staus ersparen. "In Europa ist ein bissl der Neid zu groß, dass jemand dafür zahlt um schneller zu sein", so Kapsch, der auch Präsident der Industriellenvereinigung (IV) ist.

Eine flächendeckende Lkw-Maut auf Bundesstraßen, wie sie von einigen Ländern gefordert wird, lehnt Kapsch klar ab - "auch wenn das gegen unser eigenes Geschäft ist". "Das ist volkswirtschaftlich ein Unsinn. Erstens erwischt man damit großteils Regionalverkehr und zweitens werden entlegene Regionen noch mehr belastet", so Kapsch. Des weiteren wäre das System weit teurer als von den Befürwortern angeführt und die Kontrolle sehr schwierig. "Wenn die Bundesländer glauben, so ihr Budget aufzubessern, wird das nicht funktionieren", betonte Kapsch.

Betriebsergebnis stieg 2015/16 um 90 Prozent

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr ist Kapsch zufrieden. Am US-Markt habe sich das Unternehmen nach einem zähem Start im Jahr 2007 gut entwickelt. Rund 20 Prozent des Umsatzes werde dort inzwischen erzielt. Besonders interessant ist laut Kapsch der US-Markt auch deswegen, "weil man viel ausprobieren kann". Künftig will sich der weltweit anerkannte Anbieter von Intelligent Transportation Systems (ITS) mehr im Bereich von städtischen Verkehrsleit- und Mautsystemen engagieren, etwa im Bereich Parkraumbewirtschaftung. "30 Prozent des Verkehrs innerhalb des Wiener Ringes ist Parkplatzsuche", rechnete Kapsch vor.

Kapsch TrafficCom konnte im Geschäftsjahr 2015/16 das Betriebsergebnis (Ebit) um 90 Prozent auf 62,3 Millionen Euro steigern, das Periodenergebnis legte um 220 Prozent auf 36,5 Millionen Euro zu.

Beim Umsatz gab es ein Plus von 15 Prozent auf 526,1 Millionen Euro. Bei der Hauptversammlung soll eine Dividendenerhöhung von 0,50 auf 1,50 Euro je Aktie vorgeschlagen werden - der höchste Wert seit dem Börsengang vor neun Jahren.

Börsenkurs legte
deutlich zu

In Österreich wird gerade das seit 2004 bestehende Lkw-Mautsystem für Autobahnen und Schnellstraßen neu ausgeschrieben, das seinerzeit von Kapsch errichtet wurde und für das die Autobahnholding Asfinag voll des Lobes ist.

Kapsch TrafficCom ist Teil der Kapsch Group, einem 1892 gegründeten österreichischen Technologiekonzern im Familienbesitz. Das Unternehmen beschäftigt in 30 Ländern rund 3700 Mitarbeiter, in Österreich sind es knapp 600.

Seit dem Jahr 2007 notiert das Unternehmen im Prime Market der Wiener Börse. Die Aktie legte am Mittwoch nach der Bekanntgabe der guten Geschäftszahlen bis zum Nachmittag um über 6 Prozent zu.