Wien. (apa/reu/kle) Die österreichischen Banken haben 2015 dank geringerer Abschreibungen unter dem Strich mehr Geld verdient. Bei den 80 Mitgliedern des Bankenverbands (darunter die Bank Austria) lag der Gewinn bei 1,2 Milliarden Euro, während der gesamte heimische Bankensektor einen kumulierten Überschuss von 3,7 Milliarden Euro auswies. Die Steigerung der Ertragskraft bleibe dennoch die große Herausforderung für die Branche, betonte Bankenverbandspräsident Robert Zadrazil, Chef der Bank Austria, am Donnerstag. Zadrazil verwies dabei unter anderem auf das historische Zinstief, die mäßige Konjunktur, die Bankensteuer und die Regulierungskosten.

Indes hat der Banker die Hoffnung, dass sich zumindest in der Frage der Bankenabgabe unter Neo-Kanzler Christian Kern etwas tut. "Mit dem neuen Bundeskanzler ist ein anderes Gesprächsklima entstanden, das merke ich auf jeden Fall", sagte Zadrazil vor Journalisten. Daher sei er "voller Hoffnung, dass wir in nächster Zeit eine Lösung finden werden". Er hoffe, noch heuer. "Der Ball liegt bei der Politik", so Zadrazil.

Gespräche über Arbeitsstiftung

Unabhängig von staatlichen Eingriffen kämpfen die Banken derzeit gegen veränderte Kundengewohnheiten an. Ergebnis der online-bedingten Veränderungen in der Branche werde ein Filial- und Personalabbau sein, nur sei noch nicht absehbar, wann, sagte Zadrazil. Seit der letzten KV-Runde gebe es aber Gespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über eine Arbeitsstiftung für die Branche. Dabei hätten sich zwei Modelle als "relevant" herauskristallisiert, sie würden nun genauer geprüft.

Laut Zadrazil wäre es sinnlos, sich gegen die Digitalisierung zu wehren. Sie komme sowieso, nur wisse niemand, wie schnell und wohin es genau geht. Zadrazil: "Ich kann nicht sagen, wo wir in zehn Jahren stehen werden." Klar sei aber, dass die Digitalisierung unumkehrbar sei und alle Banken damit umgehen müssten.

Mit einer Gebühr für Bankomatabhebungen beschäftige sich der Bankenverband derzeit nicht, versicherte Zadrazil. Es sei auch nie die Frage gewesen, dass eine Bank ihren Kunden für die Abhebung am institutseigenen Gerät Kosten verrechnen würde. Es gebe jedoch beispielsweise Internetbanken, die ihren Kunden interessante Angebote machen, sich aber an den Kosten für die Infrastruktur nicht beteiligen. "Dieses Ungleichgewicht muss man diskutieren", so Zadrazil.

Mit Blick auf die Bank Austria geht ihr Chef indes unverändert davon aus, dass der "Großteil" jener Mitarbeiter, die sich um das Osteuropa-Geschäft des Mutterkonzerns Unicredit kümmern, in Wien bleiben kann. Die Bank Austria muss die Sparte heuer an die Unicredit abtreten. Davon betroffen sind zirka 500 Jobs. Formal soll ein Teil davon in eine schon vorhandene Filiale der Unicredit in Österreich verschoben werden.

RZB wirbt für Fusion mit RBI

Unterdessen zeigt sich der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, zuversichtlich, dass die Fusion mit der Tochter Raiffeisen Bank International (RBI) über die Bühne geht. "Wenn ich mir nicht ziemlich sicher wäre, dass wir das zusammenbringen, hätten wir das nicht angezettelt", sagte der Banker, der auch RBI-Aufsichtsratschef ist, am Donnerstag. Würde dagegen alles so weiterlaufen wie bisher, hätte man angesichts der jährlich steigenden Abzüge irgendwann zu wenig Kapital.

"Wir wollen bis Ende September so weit sein, dass die Aufsichtsräte mit ja oder nein entscheiden können", kündigte Rothensteiner an. Die Pläne würden derzeit in beiden Instituten geprüft. Vorgesehen sei, dass die RZB in die RBI integriert werde und die RZB-Aktionäre ihre Aktien im Zuge einer nicht öffentlichen Kapitalerhöhung in RBI-Aktien umtauschen. Beraten werde die RZB bei den Fusionsplänen von der Deutschen Bank.

Der Raiffeisen-Bankengruppe geht es laut Rothensteiner "durchaus zufriedenstellend". 2015 stieg ihr Betriebsgewinn um 19 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.