Wien/Schwechat. (temp) Die steigende Terrorangst verdirbt den Menschen offenbar die Lust aufs Fliegen. Das empfinden jedenfalls die Austrian Airlines (AUA) so. Der Gewinn im ersten Halbjahr ist zwar im Vergleich zur Vorjahresperiode gestiegen, die Aussichten für das gesamte Jahr wurden aber dennoch zurückgenommen: Der operative Gewinn soll nun nicht mehr "deutlich" über dem Vorjahreswert liegen, sagte Finanzvorstand Heinz Lachinger am Dienstag vor Journalisten.

Im ersten Halbjahr 2016 lag das Vorsteuerergebnis (Ebit) bei zwei Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es um diese Zeit 17 Millionen Euro Verlust gegeben. Das erste Halbjahr 2016 sei damit das beste seit 2007 gewesen, so Lachinger, aber die Vorfreude auf das zweite Halbjahr sei nur noch gedämpft. Für das Gesamtjahr 2015 hatte die AUA 52 Millionen Euro Gewinn (bereinigtes Ebit) ausgewiesen - den größten Gewinnanteil erwirtschaften Fluglinien traditionellerweise im dritten Quartal.

Sorgenkind Charter-Bereich


Besonders stark wirkten sich die Sorgen im Charter-Bereich aus, wo Rückgänge zum Vorjahr von 15 bis 20 Prozent verbucht würden. Der Charter-Anteil am Gesamtumsatz dürfte von sechs bis sieben auf fünf bis sechs Prozent zurückgehen. In der Türkei sei der Rückgang "punktuell noch größer", so Lachinger. Hier würden nur noch Antalya und Dalaman angeflogen. Aber auch im Linienverkehr spüre die AUA die Zurückhaltung der Urlaubsreisenden. Zahlen für einzelne Länder wollte Lachinger allerdings nicht nennen.

Im Nordamerikageschäft hingegen verdiene die AUA noch "gutes Geld", so Lachinger, die Konkurrenz nehme aber zu. Zudem blieben wegen Reisewarnungen der USA im Zusammenhang mit Europa Touristen aus. Insgesamt mache man im Interkontinentalverkehr (Amerika und Asien) mit sechs Prozent der Passagiere 40 Prozent des Umsatzes. Die Strategie, die Langstrecke auszubauen, sei sicher nicht falsch gewesen.

Hilfreich für die AUA-Bilanz seien der niedrige Ölpreis und die damit verbundenen niedrigen Treibstoffpreise, auch wenn der positive Effekt durch den starken Dollar etwas gedämpft werde, so Lachinger. Der im Mai 2004 eingeführte und seither mehrfach erhöhte Treibstoffzuschlag besteht aber weiter, und es gibt derzeit auch keine Überlegungen, ihn wieder zu streichen. Allerdings heißt er inzwischen "International Surcharge", also internationaler Aufschlag. Die Zuschläge würden wieder zurückgenommen, wenn der Ölpreis nachhaltig und stabil wieder unter 300 Dollar je Tonne Kerosin sinken würde, erklärte ein AUA-Sprecher damals bei der Einführung. Der Preis für Flugbenzin war zwar zwischenzeitlich schon unter 300 Dollar, steigt aber derzeit wieder und lag zuletzt bei 400 Dollar.

Dafür kämpft die AUA noch mit der Schulung von Piloten in Folge der Umstellung der Regionalflotte auf Embraer-Flugzeuge. Vor einiger Zeit hatte die AUA bekannt gegeben, dass sie über den Sommer rund 300 Flüge streichen müsse, weil nicht ausreichend Piloten zur Verfügung stehen. Obwohl es nur um 17 Flugzeuge geht, müssen rund 500 Piloten geschult werden, jede Ausbildung dauert drei bis sechs Monate, so Lachinger am Dienstag.

Die AUA-Muttergesellschaft Lufthansa scheut angesichts von Terrorangst und Buchungseinbruch vor einem neuen konkreten Gewinnziel für 2016 zurück. Dennoch will sie in diesem Jahr eine Dividende zahlen, sagte Finanzchefin Simone Menne. Das letzte Wort habe aber der Aufsichtsrat.

Luftfahrtbranche in Aufruhr


Die gesamte europäische Luftfahrtbranche befindet sich derzeit in Aufruhr. In der Vorwoche war bekannt geworden, dass die Verhandlungen um die Weiterentwicklung des Anfang 2015 in Kraft getretenen Kollektivvertrages bei der Fluglinie FlyNiki (Air-Berlin-Tochter) ins Stocken geraten sind.

Im Vormonat hatte die British-Airways-Mutter IAG wegen der Folgen des Brexit-Votums, der jüngsten Anschläge und Streiks ihre Prognose gekappt. 2016 werde nur noch mit einem Gewinnzuwachs im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gerechnet, teilte der Lufthansa-Konkurrent mit. Bei der Fluggesellschaft Easyjet ließen die Terroranschläge die Umsätze und Gewinne ebenfalls schmelzen.