Österreichs Banken werden sich jetzt mit einer Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro vom größten Teil der Bankensteuer freikaufen können. Das kann auf einmal oder auf vier Jahre verteilt berappt werden. Die Erste Group hat am Freitag die auf sie entfallende Abschlagszahlung mit etwa 200 Mio. Euro beziffert - wenn die Bankensteuerreform im Parlament so durchgeht wie von der Regierung paktiert.

Eine derartige Einmalzahlung hätte bei der Ersten in der Folge ab 2017 eine Reduktion der österreichischen Bankensteuer von rund 130 Millionen auf 20 Mio. Euro pro Jahr zur Folge, berichtete das Institut.

841,7 Millionen Nettogewinn

Die Erste Group hat im ersten Halbjahr 2016 trotz eines Rückgangs von 11 Prozent beim Betriebsergebnis auf 1,33 Mrd. Euro unterm Strich einen Rekordgewinn geschrieben. Der Nettogewinn lag mit 841,7 Mio. Euro um 73 Prozent über Vorjahr. Das hätte man nie erreicht, "wenn wir nicht in den Jahren bis 2014 unsere Problemkredite korrekt bevorsorgt hätten", schrieb Bankchef Andreas Treichl im Zwischenbericht. Jetzt profitiere man davon, dass man Wertberichtigungen auflösen könne. Natürlich habe auch der Verkauf der Visa-Anteile zum Gewinnanstieg beigetragen.

Der Anteil der faulen Kredite (NPL) am Gesamtkreditvolumen ist seit Jahresbeginn von 7,1 Prozent auf 5,8 Prozent gesunken.

Stabile Dividende

Die bereinigte Eigenkapitalrendite wird mit rund 13 Prozent angegeben. Auch wenn man weiter von einem Niedrigzinsumfeld ausgehen müsse, werde die Erste Group eine der wenigen Banken in Europa sein, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren zweistellige Kapitalrenditen erwirtschaften und damit stabile Dividenden zahlen könne, erklärte Treichl. Größere Investitionen fließen derzeit in digitale Projekte.

Der Erste-Chef meldete heute mit einer Milliarde Euro auch den stärksten organischen Kapitalaufbau, der jemals erzielt worden sei. Die harte Kernkapitalquote (Basel III, final) wurde mit 12,7 Prozent beziffert.

Töchterbanken im Osten legen stark zu

Die Bilanzsumme stieg bis Ende Juni auf 204,5 (Dezember: 199,7) Mrd. Euro. Die Kundenkredite (netto) legten leicht auf 127,4 Mrd. Euro zu, die Kundeneinlagen auf 130,4 (127,9) Mrd. Euro.

Gewinnzuwächse gab es wieder in den Osttöchtern, allen voran bei der großen tschechischen Tochter Ceska Sporitelna, die den Halbjahresgewinn um 15 Prozent auf 287 Mio. Euro erhöhte, und aus der Slowakei, wo der Gewinn der Tochterbank um fast 50 Prozent auf 133,6 Mio. Euro zulegte. In Rumänien, wo Kreditwertberichtigungen aufgelöst wurden, blieb das Ergebnis der BCR mit 124 Mio. Euro fast stabil. Die Ungarn-Tochter drehte von einem Verlust auf einen Halbjahresgewinn von rund 100,7 Mio. Euro. Mehr Gewinn gab es auch in Kroatien sowie in der kleinen Serbien-Tochter.