Wien/Mailand. Der italienische Finanzriese Unicredit hat der Bank Austria, seiner Wiener Tochter, eine üppige Ablöse für die Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts gezahlt. Wie die Bank Austria nun bekanntgab, habe sie aus Mailand zur Stärkung ihrer Kapitalstruktur einen Barzuschuss von einer Milliarde Euro erhalten. Geflossen sei das frische Geld vergangenen Donnerstag.

Am Folgetag hat dann die Aktionärsversammlung der Bank Austria grünes Licht für den Transfer des Osteuropa-Geschäfts von Wien zur Konzernmutter nach Mailand gegeben - "einstimmig", wie es hieß, also auch mit den Stimmen des Betriebsratsfonds sowie der AVZ-Stiftung, die der Stadt Wien nahesteht. Formell besiegelt wurde dabei die Abspaltung der Sparte in eine der Unicredit zu hundert Prozent gehörende österreichische Firma namens UCG Beteiligungsverwaltung GmbH ("NewCo"). Im Anschluss daran hat diese Sondergesellschaft die Abspaltung und die nachfolgende Übertragung in die Unicredit SpA ihrerseits beschlossen.

Zieldatum: 1. Oktober


Den jüngst erfolgten Beschlüssen fehlt jetzt noch das Okay der Bankenaufsicht. In Mailand wird mit Blick auf die notwendigen Genehmigungen dem Vernehmen nach erwartet, dass es sich ausgehen sollte, dass die Abspaltung mit 1. Oktober realisiert werden kann. In diesem Fall wäre sie rückwirkend per Jahresbeginn 2016. Indes hat die Bank Austria bisher kein genaues Zieldatum genannt: Bei ihr war auch am Montag davon die Rede, dass geplant sei, die Übertragung des Osteuropa-Portfolios an die Mutter bis Jahresende zu vollziehen.

Noch bis vor wenigen Wochen hat das von Mailand angestoßene Projekt einer Spaltung der Bank Austria freilich gehörig gewackelt (die "Wiener Zeitung" berichtete exklusiv). Die Bankenaufsicht soll unter anderem darauf verwiesen haben, dass bei einer Abspaltung der Osteuropa-Sparte die Kapitalisierung der auf Österreich reduzierten Bank Austria nicht akzeptabel sei. Die behördlichen Aufseher in der Europäischen Zentralbank haben sich deshalb gegen die Pläne der Unicredit zunächst quergelegt. Nach der vor wenigen Tagen nach Wien überwiesenen Milliarde dürfte ihrem Okay nun aber nichts mehr im Wege stehen, heißt es im Umfeld der Unicredit-Gruppe. Bei den Bankenaufsehern sei der Gesellschafterzuschuss jedenfalls "gut aufgenommen" worden. Denn ohne die Osteuropa-Assets liege die harte Kernkapitalquote der Bank Austria "nur" bei 11,67 Prozent, mit der zugeschossenen Milliarde seien es nach internationalen Bilanzierungsregeln (IFRS) jedoch 18 Prozent.

Weitere Investitionen zugesagt


Dass die AVZ-Stiftung und der Betriebsratsfonds der Abspaltung zustimmen, hat auch damit zu tun, dass die Unicredit weitere Investitionen in der Bank Austria versprochen hat. Jedenfalls ist Betriebsratschef Adolf Lehner zuversichtlich, dass sich bei der Bank Austria in Österreich auch in neuer Struktur Geld verdienen lässt. Wichtig sei, dass sie eine Universalbank bleibe. "Ich glaube, dass die eine Milliarde Gesellschafterzuschuss eine gute Ausgangsbasis ist", so Lehner im ORF-Radio. Er schätzt, dass das Institut damit die am besten kapitalisierte Großbank Österreichs ist.