Wien. Die Bawag P.S.K. hat ein starkes erstes Halbjahr hingelegt und nach Angaben der Vorstände ihre historischen Bilanzbereinigungen erledigt. Außerplanmäßige Abschreibungen gebe es nicht mehr, hieß es am Mittwoch bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses.

Beim letzten EU-Stresstest habe die Bank besser als das Europa-Mittel abgeschnitten, wird betont. Im härtesten Stress-Szenario wäre die harte Kapitalquote von derzeit 15,1 auf 9,7 Prozent gefallen. Die RZB kam wie berichtet unter Stress-Simulationen auf 6,1 Prozent Kernkapital und damit gerade noch über den Mindestsatz. Die Erste Bank hätte im Ernstfall 8,2 Prozent.

Der Nettogewinn der Bawag P.S.K. stieg in den ersten sechs Monaten um 25 Prozent auf 284,4 Millionen Euro, wobei das Segment Retail 80 Millionen Euro beisteuerte. Aus "International Business" kamen 56 Millionen Euro, aus dem Segment Easy-group (Easybank, Kfz- und Mobilienleasing und internationale Wohnbaukredite) 45 Millionen Euro Nettogewinn.

Trotz "Brexit" derzeit
"business as usual" in London


Thema bei der Pressekonferenz war auch der EU-Ausstieg der Briten und seine Auswirkungen auf die Geschäftspläne der Bawag für Großbritannien. Bisher habe das "Brexit"-Votum keine Spuren im Geschäft der erst vor zwei Jahren gegründeten Niederlassung in London hinterlassen, erklärten die Bawag-Chefs unter Führung von CEO Byron Haynes. Über London ist die Bawag im Kreditgeschäft mit internationalen Kunden aktiv. Hauptaktionär der Bank ist der US-Fonds Cerberus.

Wie und ob ausländische Banken in London nach einem Brexit ihre Dienste weiter anbieten können ("Passporting-Rechte"), wird vom Ausgang der EU-Austrittsverhandlungen abhängen. Im Zweifelsfall könnte die Bawag ihre London-Niederlassung beispielsweise nach Frankfurt verlegen. Für eine Expansion nach Großbritannien, wie sie für die Onlinebank Easybank angestrebt ist, kann es komplizierter werden, wenn dafür eine eigene Banklizenz beantragt werden müsste.

Heuer will die Bawag mit der Easybank auf jeden Fall in Deutschland starten. Neben organischem Wachstum ist das Geldinstitut für ihr Retailgeschäft an Zukäufen interessiert, in Österreich wie auch im Ausland, vornehmlich Deutschland. Ausreichende Kapitalpuffer seien dafür vorhanden, so Bankchef Haynes.

Investitionen in mehr Selbstbedienung


Haynes kündigte weitere Investitionen in den Ausbau der Selbstbedienung und Digitalisierung an. Das Filialnetz werde "optimiert". Derzeit unterhält die Bank 466 Filialen. Dass diese Rationalisierung kolportierte 200 Jobs kosten soll, wurde nicht kommentiert.

Die Abschlagszahlung auf die Bankensteuer, mit der sich die Institute eine massive Reduktion dieser Steuer ab 2017 erkauft haben, wird die Bawag rund 45 Millionen Euro kosten.

Für 2016, im letzten Jahr in voller Höhe, führt die Bawag voraussichtlich rund 23 Millionen Euro Bankenabgabe ab. Ab 2017 soll diese Zahlung dann auf rund fünf Millionen sinken, wurde am Mittwoch berichtet.