Wien. "Die Verbesserung unserer Kapitalausstattung hat weiterhin höchste Priorität", betonte Karl Sevelda, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), am Donnerstag. Überraschend kam seine Ansage nicht. Denn als größte Schwäche im Raiffeisen-Bankenreich gilt seit langem die nicht gerade üppige Ausstattung mit Eigenkapital. Der jüngste Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA hat dies auch schonungslos aufgezeigt: Unter 51 europäischen Finanzhäusern haben die Giebelkreuzer, namentlich die RBI-Mutter Raiffeisen Zentralbank (RZB), die Prüfung zwar bestanden, dabei aber nur den drittletzten Platz belegt.

Um für künftige Krisen besser gerüstet zu sein, will die RBI ihre harte Kernkapitalquote bis Ende 2017 auf mindestens zwölf Prozent bringen. Dieses Ziel hat die auf Osteuropa spezialisierte Wiener Großbank in der ersten Hälfte 2016 zwar schon erreicht: Binnen sechs Monaten kletterte ihre Quote von 11,5 auf 12,2 Prozent. Doch nachhaltig dürfte das noch nicht sein. Der Prozess des Schrumpfens, den Bankchef Sevelda wegen Problemen in Ungarn, der Ukraine und Russland nach jahrzehntelangem Wachstumskurs eingeleitet hat und der mithelfen soll, die Kapitaldecke zu stärken, ist auch noch nicht beendet. Seit 2015 ist die RBI damit beschäftigt, Teile ihres Auslandsgeschäfts abzustoßen. Der Verkauf der polnischen Polbank, größter Brocken dieses Programms zur Reduzierung von Risiken, hat zwar wegen der Problematik rund um Fremdwährungskredite wiederholt gestockt, ist zuletzt aber wieder angelaufen.

Geschäft der Mutter
würde von RBI übernommen


Der Umbau des Konzerns ist also noch nicht abgeschlossen - vor allem aber auch deshalb, weil die RBI gerade eine Fusion mit der RZB prüft. Eine Entscheidung solle in der zweiten Septemberhälfte fallen, hieß es am Donnerstag. Da soll dann auch eine Bandbreite für das Aktienaustauschverhältnis bekanntgegeben werden, falls es für eine Verschmelzung mit der Mutter grünes Licht gibt, wie Sevelda in einer Telefonkonferenz anlässlich der RBI-Halbjahresbilanz erklärte. Rein technisch würde die Fusion so ablaufen, dass die RZB in die RBI integriert und die RZB-Aktionäre im Zuge einer RBI-Kapitalerhöhung zu neuen RBI-Aktionären würden.

Eine Fusion der beiden Banken würde jedenfalls die komplizierte Eigentümerstruktur im genossenschaftlichen Raiffeisen-Bankenimperium vereinfachen. Für die Kapitalstruktur hätte das positive, weil stärkende Effekte. Im Übrigen ist das auch der wesentlichste Grund, warum man bei RZB und RBI im heurigen Frühjahr die Option eines Zusammengehens erwogen hat.

Derzeit gehört die RBI zu 60,7 Prozent der RZB, die sich wiederum hauptsächlich im Besitz der Raiffeisenlandesbanken befindet. Die RBI ist seit 2005 an der Wiener Börse gelistet, in Händen von Streubesitzaktionären sind aktuell 39,3 Prozent der Anteile. Laut Sevelda würde die Bank auch im Fall einer Fusion an der Börse notiert bleiben.

Nettogewinn schrumpft im
Halbjahr um fast ein Viertel


Im ersten Halbjahr hat die Raiffeisen Bank International unter anderem wegen eines rückläufigen Zins- und Provisionsüberschusses deutlich weniger verdient als im gleichen Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich sank ihr Gewinn um rund 24 Prozent auf 210 Millionen Euro. Dass die Betriebserträge mit 2,3 Milliarden Euro um 6,5 Prozent schwächer ausfielen, begründete das Finanzinstitut mit dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld sowie einem reduzierten Kreditvolumen.

Positiver Aspekt im Halbjahr: Für faule Kredite musste die RBI um ein Drittel weniger Geld zur Seite legen. Ihre Netto-Dotierungen zu Kreditrisikovorsorgen sanken demnach von 604 auf 403 Millionen Euro.