Wien. (kle) Auch wenn der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um 17,5 Prozent auf 201,3 Millionen Euro geschrumpft ist: Für das Gesamtjahr sieht sich die börsennotierte Vienna Insurance Group (VIG) damit im Plan. Die Chefin des größten heimischen Versicherungskonzerns, Elisabeth Stadler, bekräftigte am Dienstag das bisherige Ziel für heuer, den im Vorjahr massiv eingebrochenen Gewinn auf bis zu 400 Millionen Euro zu verdoppeln.

Wie Stadler weiter erklärte, sei dieses Ziel "ungeachtet der geänderten Bewertung der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften (wo die VIG beherrschenden Einfluss hat, Anm.) und der daraus resultierenden Bilanzierungsänderung aufrecht". Zum Hintergrund: Wegen eines von der Finanzmarktaufsicht jüngst zugestellten Bescheids musste die Vienna Insurance Group ihre Abschlüsse für 2014 und 2015 aufrollen. Ihren Angaben zufolge sind die entsprechenden Anpassungen im Halbjahresergebnis 2016 jedenfalls bereits berücksichtigt.

Schwächeres Finanzergebnis


Auf Kurs für das heurige Gewinnziel sieht Stadler die Gruppe auch trotz des unveränderten Niedrigzinsumfelds, "das unser Finanzergebnis nach wie vor belastet". Im ersten Halbjahr fiel das Finanzergebnis mit 449,5 Millionen Euro um gut 13 Prozent schwächer aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Was die Prämieneinnahmen der VIG betrifft, so stiegen diese in den ersten sechs Monaten hauchdünn um 0,4 Prozent auf 4,928 Milliarden Euro. Tätig ist der Konzern mit rund 50 Gesellschaften und mehr als 23.000 Mitarbeitern in insgesamt 25 Ländern. Neben Österreich sind dies vorwiegend Märkte in Zentral- und Osteuropa. Dort ist die VIG im Rahmen ihrer im Frühjahr leicht abgeänderten Osteuropa-Strategie nun auf vier Länder fokussiert, wo sie mittelfristig einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent anstrebt. Dabei sieht sie sich im Plan. Mit Ausnahme Polens, wo im ersten Halbjahr unter anderem die fortgesetzte Reduktion von Einmalerlägen in der Lebensversicherung das Prämienvolumen geschmälert habe, hätten Ungarn, Serbien und Kroatien ein deutliches Prämienwachstum gezeigt, so die VIG in einer Aussendung.

Teure Hagelschäden


Für Versicherungsfälle (abzüglich Rückversicherungsanteile) musste die VIG in der ersten Jahreshälfte insgesamt 3,47 Milliarden Euro aufwenden. Dies waren um 3,4 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres, die allerdings laut VIG durch positive Währungseffekte in Liechtenstein und die Abkoppelung des Schweizer Franken vom Euro geprägt waren.

Deutlich verschlechtert hat sich im Halbjahr die sogenannte Combined Ratio (Schäden und Kosten im Verhältnis zu den Einnahmen): Sie kletterte im Konzern von 95,9 auf 97,9 Prozent. Als Hauptgrund nannte die VIG Hagelschäden in den Kfz-Sparten in Polen und der Tschechischen Republik.

Ihre Kapitalanlagen samt liquider Mittel per Ende Juni bezifferte die Versicherungsgruppe mit 32,3 Milliarden Euro - ein Plus von 3,2 Prozent. Auf Anleihen entfielen im Berichtszeitraum 73,2 Prozent der Kapitalanlagen, auf Darlehen 8,9 Prozent, auf Immobilien 6,1 Prozent und auf Aktien 4,1 Prozent.

An der Wiener Börse gab die seit März stark nach unten geprügelte VIG-Aktie am Dienstag ein Lebenszeichen von sich. Ihr Kurs stieg im Handelsverlauf um bis zu 3,8 Prozent auf 17,375 Euro.