Alpbach. (apa/kle) Ewald Nowotny, Chef der Nationalbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglied, warnt im Zusammenhang mit dem Brexit. Zu wenig gesehen werde in der Öffentlichkeit der Umstand, dass Großbritannien nach Deutschland zweitgrößter Zahler im EU-Budget sei - trotz Rabatts.

Seine Zahlungen finanzierten vor allem die Struktur- und Kohäsionsfonds mit, die für die neuen Mitgliedstaaten von großer Bedeutung seien, sagte Nowotny am Freitag in einem Pressegespräch beim Forum Alpbach. Derzeit gebe es keine Bereitschaft, den Wegfall dieser Zahlungen durch höhere Zahlungen der anderen EU-Länder auszugleichen. Jedenfalls sei dies ein sehr sensibler Bereich, der auch Österreich indirekt betreffe, weil davon die osteuropäischen Staaten betroffen seien.

Indes sieht Nowotny auch für die City of London, Europas größten Finanzplatz, bei einem Brexit "sehr viel auf dem Spiel" stehen. Derzeit sei sie der wichtigste Handelsplatz für Transaktionen in Euro. 45 Prozent aller Euro-Fremdwährungs-Transaktionen werden in London abgewickelt, bei Transaktionen von Euro-Zinsderivaten sind es sogar 75 Prozent. Die Frage der Clearing-Häuser sei ein entscheidender Bereich für die Austrittsverhandlungen und für die City of London, so Nowotny. "Da sind erhebliche Dinge im Spiel."