Wien. Am 26. September um 11 Uhr übergibt das Verhandlungsteam der Gewerkschaften Pro-Ge und GPA-djp, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Rudi Wagner, in der Wirtschaftskammer Österreich das Forderungsprogramm für die Kollektivvertragsverhandlungen an die Arbeitgeberverbände der Metallindustrie. Die erste Sitzung findet mit dem Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (120.000 Beschäftigte) statt.

Seit 2012 verhandeln die sechs Fachverbände auf Wunsch der Arbeitgeber und gegen den Widerstand der Gewerkschaften die Kollektivverträge getrennt. Im vergangenen Jahr schafften es die Gewerkschaften wieder, einheitliche Abschlüsse zu erreichen. Die insgesamt 180.000 Beschäftigten bekamen um 1,5 Prozent mehr Lohn, die Freizeitoption (keine KV-Erhöhung und dafür mehr Freizeit) und einen freien Tag am 31. Dezember. Insgesamt waren 16 Verhandlungsrunden erforderlich. Auf eine sechste Urlaubswoche für alle nach 25 Jahren Arbeit konnten sich die Sozialpartner nicht einigen.

Wirtschaftskammer: Nur moderater Abschluss möglich


Davon ist auch vorerst keine Rede. Die Gewerkschaft möchte heuer zunächst einmal ein kräftiges Plus. Das Wirtschaftswachstum habe 2016 wieder Fahrt aufgenommen, die Produktivität sei gestiegen, die Inflation weiterhin niedrig. "Das sind ausgezeichnete Voraussetzungen für eine ordentliche Erhöhung der Löhne und Gehälter", betonen Wimmer und Wagner.

Zuletzt hat das Wifo für heuer ein reales BIP-Wachstum von 1,7 Prozent prognostiziert. Damit die Arbeitnehmer etwas im Börsel haben, "müssten schon zwei bis drei Prozent drin sein", heißt es laut "Presse" (Mittwoch) hinter vorgehaltener Hand. FMMI-Obmann Christian Knill dagegen betont: "Wir haben in unserer Branche jetzt ein Nullwachstum, und viele unserer Exportmärkte wie Russland oder Großbritannien sind extrem schwierig." Alles andere als ein moderater Abschluss sei "Gift für den Standort". Heuer rechne man mit einer Stagnation oder mit nur einem minimalen Wachstum, betont Knill im "Kurier".

Im vergangenen Jahr gab es ein Plus von 1,5 Prozent bei den Ist- und bei den KV-Mindestgehältern - bei einer Inflation von 0,9 Prozent.

Ebenfalls vereinbart wurde die Aufnahme eines zusätzlichen Arbeitszeitmodells im Kollektivvertrag. Das Modell trat am 1. Juli 2016 in Kraft und ist vorläufig bis 30. Juni 2019 befristet. Erstmals ist für die Arbeitgeber innerhalb eines gewissen Rahmens eine 45-Stunden-Woche ohne Zeitzuschlag möglich. Das schafft mehr Spielräume für das Abarbeiten von Auftragsspitzen.