Wien/Berlin. (kle) Seit 2013 fliegt die zuvor jahrelang schwer gebeutelte AUA wieder in der Gewinnzone. Viel Ballast musste die Lufthansa-Tochter dafür abwerfen. Da es mit der rot-weiß-roten Fluglinie offenbar nachhaltig aufwärtsgeht, wird mittlerweile auch wieder an gezieltes Wachstum gedacht. Am Donnerstag gab die AUA bekannt, dass sie ihre Flotte aufstockt - um insgesamt acht Flugzeuge. Wobei fünf Maschinen des Typs Airbus A320 von Air Berlin als Teil eines Deals des kriselnden Billigfliegers mit Lufthansa in der ersten Hälfte 2017 nach Wien-Schwechat kommen sollen.

Allerdings ist noch offen, welche Ziele die AUA damit anfliegen wird. Das Management will jetzt einmal abwarten, wie die Konkurrenz auf den radikalen Schrumpfkurs reagiert, den sich Air Berlin zur Gesundung verordnet hat. Weder ist derzeit klar, wie stark Air Berlin respektive ihre Wien-Tochter Niki Österreich-Strecken streichen wird, noch ist absehbar, ob andere Konkurrenten in die Lücke stoßen. Grundsätzlich gäbe es jedoch genug interessante Destinationen für die fünf zusätzlichen Maschinen, meinte der AUA-Vorstand in einer Pressekonferenz.

Übernahme inklusive Personal


Neben den Reisezielen sind auch noch die finalen Mietkonditionen für die Air-Berlin-Flugzeuge festzulegen. Übernehmen werde die AUA die fünf Maschinen jedenfalls einschließlich des dazugehörigen Personals (Piloten, Flugbegleiter, Techniker), das Air Berlin weiter stelle. Die Flugzeuge selbst würden freilich auf AUA-Farben umlackiert.

Insgesamt wird Air Berlin entsprechend dem jüngst mit Lufthansa geschlossenen Deal bis zu 40 Mittelstreckenjets (A320) vermieten - ab dem Sommerflugplan Ende März 2017. Wobei das Gros der Flugzeuge an den Lufthansa-Billigflieger Eurowings geht. Über die Laufzeit des Vertrags - sechs Jahre - erwartet Air Berlin vom Lufthansa-Konzern Zahlungen von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Kosten wie Treibstoff und Flughafengebühren trägt die Kranichlinie. Indes will Air Berlin keinerlei Start- und Landerechte oder Strecken übertragen.

Künftig 230 neue Jobs bei AUA


Neben den fünf Air-Berlin-Maschinen mietet die AUA noch drei weitere Flugzeuge an: für die Langstrecke eine Boeing 777, die ab Sommer 2018 für acht Jahre verfügbar sein soll (Destination noch offen), sowie für den Flugverkehr zwischen Österreich und Deutschland zwei A320, die noch heuer eingesetzt werden sollen. Die Verbindung Wien-München wird in Zukunft ausschließlich von der AUA bedient.

Für die angemieteten drei Flugzeuge werden laut AUA-Chef Kay Kratky zirka 110 Millionen Euro an Investitionen fällig. Aufgrund der zusätzlichen Kapazitäten würden 230 Arbeitsplätze geschaffen, womit die Zahl der AUA-Mitarbeiter auf rund 6500 steige.

Was das Management am Donnerstag ebenfalls mitteilte: In Zukunft soll es auf der Langstrecke eine Economy-Premium-Klasse geben - und auf der Mittelstrecke Internetzugang. Internet an Bord soll in den Airbus-Maschinen ab Dezember 2016 "eingebaut" werden, bis Mitte 2017 sollen alle 31 Flieger umgerüstet sein. Geplant ist auch, dass die AUA im Winterflugplan 2017/18 mit einer Boeing 767 die Seychellen anfliegt.

Air Berlin startet Großumbau


Unterdessen will die AUA-Rivalin Air Berlin mit einem tiefgreifenden Umbau und dem Kappen von bis zu 1200 Jobs ihre schwere Krise überwinden. Ihr Chef, Stefan Pichler, kündigte am Donnerstag die größte Umstrukturierung in der Geschichte der Niki-Mutter an. Kosten werde sie einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Operativ schwarze Zahlen erwartet Pichler für 2018.

Dafür sollen in Deutschland Crews und Flugzeuge von den bisherigen Heimatflughäfen Hamburg, Paderborn, Köln, Frankfurt und Leipzig abgezogen werden. Basen soll es nur noch an den Drehkreuzen Düsseldorf und Berlin sowie in Stuttgart und München geben. Zudem halbiert die zweitgrößte deutsche Airline ihre Flotte künftig auf 75 Maschinen.

Das Touristik-Geschäft mit 35 Flugzeugen erhält einen eigenen Geschäftsbereich, für den "strategische Optionen" geprüft werden. Laut Insidern könnte daraus ein Joint-Venture mit dem Ferienflieger TUIfly werden (dieses soll die 17 Airbus-Maschinen von Niki sowie diejenigen 14 Boeing-Jets von TUIfly umfassen, die bisher samt TUIfly-Personal im Namen von Air Berlin unterwegs sind).

Air Berlin ist mit fast einer Milliarde Euro verschuldet. Seit Jahren wird die Fluglinie von ihrer arabischen Großaktionärin Etihad mit immer neuen Finanzspritzen in der Luft gehalten.