Wien. (sei) Das Öl- und Gasgeschäft ist im Umbruch: Elektromobilität ist nicht mehr länger ein Traum naiver Fantasten, die Energieeffizienz steigt generell und die Branche stellt sich auf niedrige Ölpreise ein. Kein Wunder, dass der CEO der OMV, Rainer Seele, sich über jedes ertragssichere und mit wenigen Risiken behaftete Geschäft freut. Für die OMV ist dieses Geschäft der Verkauf von Kerosin an den nahen Flughafen Wien-Schwechat. Flugzeuge sind nach Expertenmeinung jene Verkehrsmittel, die auch mittelfristig nicht so einfach auf Elektroantrieb umgestellt werden können.

Mitbewerber muss Seele für dieses Geschäft ebenfalls nicht fürchten: Angesichts der Nähe der Raffinerie zum Airport seien andere Zulieferer bei den Transportkosten nicht konkurrenzfähig. In Schwechat "gibt es derzeit keine Alternativen zu meinem hervorragenden Kerosin", so Seele. Gemeinsam mit den Austrian Airlines laufen derzeit Forschungsprojekte, wie die Energiedichte des Treibstoffs weiter erhöht werden kann. Denn eine höhere Energiedichte bedeutet, dass für die gleiche Strecke weniger Treibstoff betankt werden muss, das Gewicht der Maschine sinkt und damit sparsamer geflogen werden kann.

Ähnlich sicher sei der Absatz von Benzin und Diesel aus Schwechater Produktion über das eigene Tankstellennetz - mit der Marke OMV sowie die Diskonter Avanti bzw. Hofer. Was den Absatz für die petrochemische Industrie betrifft, so sind diese mit einem bis 2028 laufenden Vertrag mit Borealis abgesichert. Auf die "Wiener Zeitung"-Frage, warum die OMV das Tankstellennetz in der Türkei abstoßen will, wenn die Geschäfte in diesem Sektor in Österreich prima laufen, antwortete Seele, man sei um vertikale Integration bemüht. In Österreich gelinge es so, die Produkte der Raffinerie im eigenen Tankstellennetz zu verkaufen, in der Türkei besitzt die OMV keine Raffinerie. Zudem: In Russland werde die OMV ihre Aktivitäten erhöhen, wenn man also in Russland tätig werde, so könne man sagen, die OMV tausche das politische Risiko der Türkei gegen das politische Risiko in Russland. Auch der Iran - wo es ebenfalls politische Risiken gebe - bleibt nach Meinung von Seele "hochinteressant, selbst wenn die Geschäfte nicht kurzfristig sprunghaft anlaufen werden. Der Markt dort ist zwar hoch kompetitiv, aber der Teller ist so reich gedeckt, dass man als OMV einfach dabei sein muss."

Zum Thema Klimawandel und Kohlendioxid-Emissionsreduktion sagte Seele, dass Stromproduktion aus Gas der richtige Partner für die erneuerbaren Energieträger sei und nicht Kohle, wie das derzeit in Deutschland praktiziert werde. "Wir müssen eine Anti-Merkel-Energiewende machen", sagte Seele. Denn wegen der Kohle-Fixierung seien in Deutschland trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien die Kohlendioxid-Emissionen gestiegen. Die Verwendung von Gas dürfe nicht "wegen einer Beschäftigungssicherungsstrategie" und einer "vorgetäuschten Sicherheitsstrategie" behindert werden, kritisierte der OMV-Chef und verwies dabei auf "Polen an erster Stelle".