Wien/Düsseldorf. (dg) Deutschland macht Ernst mit der Strommarkttrennung. Am Freitag hat die deutsche Bundesnetzagentur die vier dortigen Übertragungsnetzbetreiber angewiesen, schon vorbereitende Maßnahmen für eine Begrenzung des Stromflusses an der deutsch-österreichischen Grenze zu treffen. Diese sollen laut Bundesnetzagentur ab dem
3. Juli 2018 greifen. In Österreich schäumt man ob der Anweisung und fürchtet Strompreissteigerungen von bis zu 15 Prozent.

Österreich bildet gemeinsam mit Deutschland und Luxemburg seit 2002 einen gemeinsamen Strommarkt. Nachdem Deutschland 2011 den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hat, hat es massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Das hat zu einem Überangebot am Strommarkt geführt und damit zu einem deutlichen Preisverfall, auch in Österreich. Derzeit ist es dort so, dass der im Norden dank unzähliger Windräder produzierte Strom nicht in den Süden gelangen kann. Dafür sind die deutschen Hochspannungsleitungen zu schwach. Gleichzeitig liegt die energieintensive Industrie aber im Süden des Landes. Der Strom nimmt also den Umweg über Polen, Tschechien und gelangt dann teilweise wieder über Österreich nach Bayern.

Netze stabilisieren


Aus der Sicht Deutschlands sei die Engpassbewirtschaftung nötig, um den Markt zu stabilisieren und die Versorgung zu gewährleisten, erklärte Jochen Homann, Chef der Bundesfinanzierungsagentur. "Die Kapazitäten der Übertragungsnetze in Deutschland, Österreich sowie Polen und Tschechien sind technisch nicht in der Lage, auch nicht bei erfolgreichem Netzausbau, langfristig den gehandelten Strom vollständig zu transportieren." Die Begrenzung der gehandelten Strommenge hätte zur Folge, dass weniger billiger, weil subventionierter (Öko-)Strom nach Österreich fließt. Laut Reuters geht es um zehn Prozent der derzeit gehandelten Strommenge, die begrenzt werden sollen.

Und das wiederum wird die Preise in die Höhe treiben, warnt die heimische E-Wirtschaft. Die Begrenzung sei "ein falscher Schritt, der weder erforderlich noch gerechtfertigt ist", so E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Laut Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber versucht Deutschland, innerstaatliche Probleme der Versorgungssicherheit auf kleinere Länder abzuwälzen.

Die Anweisung aus Deutschland ist noch keine endgültige Entscheidung in der Sache. Um den 8. November wird die europäische Regulierungsbehörde (Acer) über die Trennung entscheiden, die als wahrscheinlich gilt. In Österreich wird man die Entscheidung anfechten.