Wien. "Sparen ist für eine gesunde Volkswirtschaft unerlässlich", lässt Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny anlässlich des Weltspartags verlauten. Das aktuelle Zinsniveau motiviert jedoch nicht gerade dazu. Denn mittlerweile weiß jeder, der Geld auf der Bank liegen hat, was negative Realzinsen sind. Dennoch ist das Sparbuch nach wie vor die beliebteste Geldanlageform der Österreicher - und wird auch als sehr sicher eingestuft.

Wer mehr Risiko eingehen will und längerfristig denkt, muss sich auf den Wertpapiermarkt begeben. Zum Einstieg bieten sich Fonds an, in denen verschiedene Aktien oder Anleihen gebündelt sind. Hier gibt es von grundsoliden Papieren bis hin zu hochriskanten Hedgefonds alles - und ebenso unterschiedlich hoch sind die Chancen auf Rendite. Mit dem steigenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit steigt auch bei den Investoren der Wunsch, ihr Geld so zu investieren, dass es der Gesellschaft nützt, wie Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zeigen.

Wachstum deutlich über dem Markt

Im vergangenen Jahr haben in Österreich nachhaltige Geldanlagen ein Volumen von 10,2 Milliarden (plus 14 Prozent) erreicht, das sind 6,3 Prozent des gesamten Fondsmarkts, der um 3,1 Prozent auf 162,7 Milliarden Euro gewachsen ist. Von den 10,2 Milliarden Euro entfielen 5,81 Milliarden Euro auf Investmentfonds und 4,41 Milliarden Euro auf maßgeschneiderte Investmentfonds für Institutionen oder vermögende Privatkunden (Mandate).

Nachhaltige Geldanlagen, bei denen neben finanziellen auch ökologische und soziale Kriterien Berücksichtigung finden, sind ein ernst zu nehmender Trend bei privaten und institutionellen Investoren, sagt Wolfgang Pinner, Leiter des FNG Österreich und Leiter der Abteilung nachhaltige Investments bei Raiffeisen Capital Management. Mittlerweile beschäftigten sich etwa alle neun österreichischen betrieblichen Vorsorgekassen freiwillig damit und wurden vom Umweltministerium und der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) für ihre Veranlagungen mit dem ÖGUT-Nachhaltigkeitszertifikat ausgezeichnet.

Nachhaltig investieren lohnt sich

Auf Rendite müssen Anleger nicht verzichten, wenn sie nachhaltig investieren. "Ich manage seit 2003 nachhaltige Portfolios. Ich konnte bei meinen Fonds keinen Nachteil gegenüber herkömmlichen Fonds erkennen", so Pinner. Generell steige der Anleger zumindest neutral aus.

Zahlreiche Untersuchungen hätten belegt, dass man mit nachhaltigen Investments eine gute, manchmal sogar überdurchschnittliche Performance erzielen könne, sagt auch Georg Lemmerer, Direktor der neugegründeten Nachhaltigkeitsabteilung "NIK" des Bankhauses Schelhammer & Schattera. Die zur Grawe-Gruppe gehörende ehemalige "Kirchenbank" wird von einem Ethikbeirat mit Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft und Wirtschaft beraten.

Eine Besonderheit des nachhaltigen Anlagemarkts in Österreich ist die starke Vorliebe für Ausschlüsse bestimmter Branchen oder Themen. "Für nahezu 100 Prozent aller nachhaltigen Fonds und Mandate werden Ausschlusskriterien angewendet", weiß Nachhaltigkeitsexperte Pinner. Waffen und Kernkraft zählen zu den wichtigsten Themen. 2015 nahm auch der Best-in-Class-Ansatz, bei dem in die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche, Kategorie oder Klasse investiert wird, an Bedeutung zu.

Zu den Kernaufgaben des Forums Nachhaltige Geldanlage zählen, Qualitätsstandards für nachhaltige Anlageprodukte weiterzuentwickeln und beständig zu verbessern. Gemeinsam mit Finanzfachleuten und Akteuren der Zivilgesellschaft hat das FNG ein Gütesiegel für nachhaltige Publikumsfonds erarbeitet. Das Siegel wurde im Dezember 2015 in Berlin erstmals an 34 Publikumsfonds verliehen. Die nächste Runde findet am 23. November 2016 statt.

Um eine Zertifizierung nach den FNG-Kriterien zu erhalten, müssen Fonds eine Reihe von Mindestanforderungen erfüllen. Diese beinhalten Transparenz- und Prozesskriterien, den Ausschluss von Waffen und Kernkraft sowie die Berücksichtigung der vier Bereiche des UN-Global Compact: Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Außerdem müssen mindestens 90 Prozent des Portfolios hinsichtlich ESG-Kriterien (environment, social, government) analysiert werden.