Wien. (kle/apa/reu) Rainer Seele, Chef des Wiener Öl- und Gaskonzerns OMV, ist mit Blick auf das politisch und wirtschaftlich umstrittene Projekt Nord Stream 2 nach wie vor zuversichtlich. "Das Thema ist überhaupt nicht gegessen", sagte Seele am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Wir haben großes Interesse daran mitzuwirken, denn die Pipeline ist für die OMV von großer strategischer Bedeutung."

Bei dem von Russlands Energieriesen Gazprom initiierten Projekt geht es um eine weitere Leitung der Ostsee-Pipeline, durch die russisches Gas nach Europa fließen soll. Wie sich die OMV auch nach dem vorläufigen Rückzug im Sommer dabei noch einbringen könne, "ist Verhandlung gewesen bei den Gesprächen, die ich gestern (Mittwoch, Anm.) in Moskau geführt habe", so Seele. Im Sommer hatten die OMV sowie vier weitere westliche Konzerne ihren Antrag bei den polnischen Wettbewerbsbehörden zur Beteiligung an der Nord-Stream-2-Gesellschaft wegen des Widerstands Polens zurückgezogen. Aber alles, was durch diesen Widerstand erreicht worden sei, so Seele, "ist, dass die Pipeline zu 100 Prozent von Gazprom gebaut wird".

Wie die OMV nun doch noch dabei sein könnte? "Theoretisch vorstellen können wir uns vieles", sagte Seele, ohne Konkretes zu erwähnen. Er hatte jedoch einen Nachsatz parat: "Es dauert nicht mehr lange, bis ich Ihnen den Weg aufzeigen werde."

Seele: "Basisvereinbarung"
mit Gazprom bis Jahresende


Das geplante Tauschgeschäft mit Gazprom will der OMV-Chef noch heuer unter Dach und Fach bringen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis zum Jahresende eine Basisvereinbarung zu unterzeichnen, die den Tausch unserer Assets festlegt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das auch hinbekommen", betonte Seele. Bei dem Geschäft geht es für die OMV um eine Viertelbeteiligung an dem riesigen sibirischen Öl- und Gasfeld Urengoj, wo der Konzern relativ günstig produzieren könnte.

Ihre durchschnittlichen Produktionskosten habe die OMV zuletzt um rund vier Dollar auf 11,70 Dollar pro Fass gesenkt, so Seele. Der Durchschnitt der Mitbewerber liege jedoch um die zehn Dollar. "Ich möchte gerne nicht nur Durchschnitt sein, sondern führend bei der Kostenposition. Das heißt, ich muss unter zehn Dollar pro Barrel kommen", sagte der aus Deutschland stammende Manager.

Teil seiner Strategie sei auch eine Ausrichtung auf höhere Wertschöpfung: "Wir wollen, dass unser Öl weniger verbrannt als veredelt wird." Deshalb wäre ein Verkauf der 36-prozentigen Beteiligung am Chemiekonzern Borealis "das Allerletzte, worüber ich nachdenken würde", so Seele. "Durch diese Beteiligung sei die OMV auch ein starker Player in der Petrochemie, was für sie ein stabilisierender Faktor sei. Und daher wolle der Konzern die Wachstumsstory der Borealis zusammen mit dem arabischen Partner Ipic auch weiter vorantreiben. Für Investitionen in das Geschäft von Borealis sieht Seele die OMV "sehr offen".