• vom 12.12.2016, 16:52 Uhr

Österreich


Industrie 4.0

Plattform will Digitalisierung begleiten




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  • Digitalisierung: AK-Präsident fordert Qualifizierungsgeld neu. Industrie-4.0-Plattform will Steuersysteme neu denken.

Kurt Hofstädter, Vorstandsvorsitzender der Plattform Industrie 4.0 Österreich, die Präsidentin des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) Brigitte Ederer, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried und AK-Präsident Rudolf Kaske bei der Präsentation der Plattform. - © apa/Hochmuth

Kurt Hofstädter, Vorstandsvorsitzender der Plattform Industrie 4.0 Österreich, die Präsidentin des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) Brigitte Ederer, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried und AK-Präsident Rudolf Kaske bei der Präsentation der Plattform. © apa/Hochmuth

Wien. (dg) "Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob wir mitmachen", sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried am Montag vor der "Summit Industrie 4.0" in Wien. Das Mitmachen bezieht sich dabei auf die fortschreitende Digitalisierung und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Die neue Plattform Industrie 4.0 soll dabei Unternehmen beim Umstieg auf Digitalisierung unterstützen und Vorschläge und Maßnahmen erarbeiten, die den Wandel begleiten sollen.

Einige Jobs würden wegfallen, andere wiederum hinzukommen, so Leichtfried. Er hoffe zumindest auf ein "Nullsummenspiel". Tatsächlich scheiden sich die Geister, was die Zukunft der Arbeitsplätze im Zuge der Digitalisierung anbelangt. Die Oxford-Wissenschafter Carl Benedict Frey und Michael A. Osborne kommen in ihrer Studie "Die Zukunft der Arbeit" zu folgendem Schluss: Rund die Hälfte der 700 in den USA untersuchten Berufen sind durch die fortschreitende Digitalisierung vom Aussterben bedroht.


Weiterbildung reformieren
Nicht ganz so pessimistisch sieht es hingegen die EU-Kommission. Sie geht von deutlich mehr Jobs aus, die entstehen sollen. Unbestritten ist jedenfalls, dass sich die Arbeitswelt und die Anforderungen an Arbeitnehmer verändern. Während etwa im Handel zusehends Jobs durch die Einführung von Selbstbedienungskassen wegbrechen, kommen neue Jobs, etwa im technischen, höher qualifizierten Segment hinzu.

Die Vertreter der Plattform, Leichtfried, Brigitte Ederer, Obfrau des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), sowie Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske forderten deshalb umfassende Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.

Kaske forderte etwa eine Reorganisation von bestehenden Weiterbildungsmaßnahmen. Er schlägt vor, das Fachkräfte-Stipendium, die Bildungskarenz und -teilzeit durch ein "neues Qualifikationsgeld" zu ersetzen. Dieses soll so gestaltet werden, dass die Existenz während der Weiterbildungsphasen gesichert sei.

Zudem fordert Kaske eine "gratis Weiterbildungswoche für Mitarbeiter" in Betrieben. Und diese sollen auch Arbeitnehmer aus dem niedriger qualifizierten Segment nutzen. Derzeit ist es so, dass eher höher qualifizierte Mitarbeiter von betrieblicher Weiterbildung profitieren.

Und: "Wir dürfen die Qualifizierung nicht nur dem AMS überlassen", so Kaske. In Zeiten der Industrie 4.0 seien Fertigkeiten wie Planungs-, Organisations-, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie Online-Kompetenzen besonders wichtig. Ebenso ein lebenslanges Lernen.

"Natürlich stellt sich die Frage, wie wir das alles finanzieren", sagte Ederer, die auch Aufsichtsratschefin der ÖBB ist. Man müsse auch "das Steuersystem neu denken", waren sich die Vertreter der Plattform einig, ohne dabei das Wort "Wortschöpfungsabgabe" in den Mund zu nehmen. "Nur die Wertschöpfungsabgabe ist zu kurz gedacht. Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen, um den Sozialstaat zu finanzieren", so Kaske.

Über Steuersystem diskutieren
Leichtfried wolle auch über ökologische Steuern und Arbeitszeit diskutieren, nachdem Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen. Derzeit sei der Faktor Arbeit besonders hoch besteuert. "Es gibt genug Arbeit, aber die Frage ist, wie verteilen wir sie und wie bilden wir Leute aus?", so Ederer. In der Elektroindustrie seien beispielsweise die Arbeitsplätze, rund 60.000, in den vergangenen 20 Jahren konstant geblieben.

Die Digitalisierung sei jedenfalls eine Chance für Österreich, sich als Standort zu positionieren. Man hoffe auch, Fertigungsstätten wieder nach Österreich zurückzuholen, weil der Faktor Arbeit durch die zunehmende Technologisierung weniger entscheidend werde.

Die Plattform Industrie 4.0 hat 36 Mitglieder - darunter Fachhochschulen, Universitäten und Industriebetriebe. 200 Forscher und Experten sollen die verschiedenen Problemfelder und Lösungsansätze der Digitalisierung erforschen, etwa im Bereich Bildung, Arbeitsplatz und Innovation.




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Dokument erstellt am 2016-12-12 16:56:08


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