Wien/Mailand. (kle/reu) Die italienische Großbank Unicredit hat im Schlussquartal 2016 einen Nettoverlust von 13,6 Milliarden Euro verbucht. Im Gesamtjahr blieb damit ein Minus von 11,8 Milliarden Euro hängen, wie die Mutter der Bank Austria am Donnerstag mitteilte. 2015 hatte Unicredit noch einen Gewinn in Höhe von 1,7 Milliarden Euro verbucht. Der Grund für den gigantischen Verlust: Für Abschreibungen auf faule Kredite musste Unicredit zwischen Oktober und Dezember 9,6 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Wie berichtet, hat die in Mailand ansässige Bank am Montag eine Kapitalerhöhung im Volumen von 13 Milliarden Euro gestartet. Dabei handelt es sich um die bisher größte Kapitalerhöhung in der Wirtschaftsgeschichte Italiens. Mit dem frischen Geld will Jean-Pierre Mustier, der Federico Ghizzoni als Konzernchef im vergangenen Juli abgelöst hat, den Abbau der Problemkredite finanzieren und das Institut wieder fit für die Zukunft machen.

Konzern speckt beim
Personal bis 2019 massiv ab


Die bis 10. März laufende Kapitalerhöhung gilt als Kernelement eines Business-Plans, den Mustier im Dezember vorgelegt hatte. Wie berichtet, werden bei der jetzigen Emission junge Unicredit-Aktien zu einem Stückpreis von 8,09 Euro verkauft. Für fünf alte Aktien können Investoren 13 neue Papiere erwerben. Mustier gab sich zuversichtlich, dass am Ende wie geplant insgesamt 13 Milliarden Euro in die Kassen des Finanzhauses fließen.

Unicredit bekräftigte am Donnerstag alle im Entwicklungsplan bis 2019 festgeschriebenen Ziele. "2016 war ein entscheidendes Jahr für die Bank. Wir haben mehrere einschneidende Initiativen zur Bewältigung des negativen Erbes der Vergangenheit gesetzt", so Mustier. Ziel sei es nun, Unicredit als gesamteuropäische Bank zu konsolidieren.

Mustier unterstrich dabei auch die Bedeutung des erst vor wenigen Tagen mit den Gewerkschaften geschlossenen Abkommens rund um den Abbau von Personal. Demnach sollen 3900 Arbeitsplätze in Italien dem Sparstift zum Opfer fallen, gleichzeitig sind allerdings auch 1300 Neuanstellungen geplant.

Mit dem bisherigen Stellenabbau soll die Zahl der Unicredit-Mitarbeiter in Italien bis 2019 per saldo um 9400 Beschäftigte sinken. Geplant ist, landesweit 883 Filialen zuzusperren, was mehr als einem Viertel aller Unicredit-Filialen in Italien entspricht.

Bei der Bank Austria, die im Vorjahr die Zuständigkeit für das Osteuropa-Geschäft an die Mutter in Mailand abtreten musste und nur noch das Österreich-Geschäft verantwortet, wird der Sparkurs ebenfalls forciert. Dort gehen bis Jahresende 959 Mitarbeiter. Insgesamt aber werden im Rahmen eines Abschiedsprogramms - verteilt über mehrere Jahre - rund 2000 Personen aus dem Unternehmen ausscheiden. Im Übrigen strafft auch die Bank Austria ihr Filialnetz.

Abschreibungen summierten
sich auf 12,2 Milliarden


Bei den operativen Erträgen musste Unicredit 2016 zwar nur kleine Abstriche machen: Sie sanken um 0,3 Prozent auf 18,8 Milliarden Euro. Dafür aber stiegen die operativen Kosten - um 1,5 Prozent 12,5 Milliarden Euro. Vor Wertberichtigungen und Abschreibungen verblieb ein operativer Gewinn von 6,3 Milliarden Euro, wie Unicredit weiter mitteilte. Gegenüber dem Jahr davor entspricht dies einem Rückgang um 3,8 Prozent.

Abschreibungen und Wertberichtigungen verdreifachten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr jedoch auf insgesamt 12,2 Milliarden Euro, sodass sich unter dem Strich ein operativer Verlust von 5,9 Milliarden Euro ergab. 2015 hatte die Unicredit-Gruppe noch einen Betriebsgewinn von 2,6 Milliarden Euro geschrieben.

Zum Jahresende 2016 habe die Bank die aufsichtsrechtlichen Kapitalerfordernisse vorübergehend nicht mehr erfüllen können, hieß es am Donnerstag. Erst mit der jetzigen 13-Milliarden-Euro-Kapitalerhöhung wird die harte Kernkapitalquote bei Unicredit von zuletzt 7,54 Prozent wieder auf 11,15 Prozent steigen. Bis 2019 peilt die Bank eine harte Kernkapitalquote von mehr als 12,5 Prozent an.

An der Mailänder Börse zeigte sich die Unicredit-Aktie am Donnerstag kaum verändert. Am späten Nachmittag lag ihr Kurs mit 12,39 Euro um einen Hauch (0,08 Prozent) höher.