Wien. (ede) Die vier heimischen Bausparkassen haben im vergangenen Jahr mit Finanzierungen in der Höhe von rund 2,9 Milliarden Euro Träume vom Eigenheim erfüllt und das Renovieren, Sanieren und Modernisieren von Wohnraum ermöglicht. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent. Das Niveau lag aber auch schon einmal deutlich höher, zuletzt wurde 2008 ein Rekordwert von 3,6 Milliarden Euro erzielt.

"Das Kerngeschäft der Bausparkassen ist die Finanzierung", betonte Susanne Riess, Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot und derzeit Vorsitzende des Arbeitsforums österreichischer Bausparkassen, am Mittwoch vor Journalisten. Jetzt gibt es aber nicht wenige, die das Bausparen in erster Linie als Geldanlage sehen. Hier gab es in letzter Zeit wegen des allgemein niedrigen Zinstiefs nicht viel zu holen, und das trotz staatlicher Prämie. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) rügte unlängst die Institute wegen ihrer mageren Renditen, die nicht einmal die Inflation abdecken würden und rät dazu, sich nach Alternativen umzusehen.

Sie sei über die Aussagen des VKI sehr verwundert, sagte Wüstenrot-Chefin Riess. Bei einem Vergleich verschiedener Sparangebote über einen Zeitraum von sechs Jahren - das ist die übliche Laufzeit eines Bausparvertrages - werde man kaum eines finden, das besser und sicherer sei als Bausparen.

Thema Altverträge bei Wüstenrot abgehakt


"Für uns ist das Thema Altverträge abgehakt", sagte Riess. Wüstenrot hatte 2013 für 7000 Alt-Bausparkunden, die mehr als vertraglich vereinbart angespart hatten, die Zinsen gesenkt. Der OGH erklärte das für unzulässig. Man habe mit den betroffenen Kunden, die über die Vertragssumme hinaus Gelder zu hohen Zinsen liegen hatten, den Umstieg auf neue Konditionen oder die Auszahlung des Guthabens vereinbart, so Riess. Es gebe lediglich noch zwei Streitfälle zu klären. Dass dass Thema Zinsen die Konsumenten beschäftigt, hält Riess für berechtigt. Der Zweck des Bausparens sei jedoch die günstige Finanzierung von Wohnraum.

Einer der betroffenen Alt-Bausparkunden hatte ein zu 2,8 Prozent verzinstes Guthaben von 1,2 Millionen Euro bei Wüstenrot, ein Bauspardarlehen nahm er nicht in Anspruch.

Der Staat fördert derzeit Bauspar-Einzahlungen bis maximal 1200 Euro pro Jahr mit 1,5 Prozent Zuschuss. Die höchste Prämie beträgt demnach 18 Euro. Steigen die Marktzinsen, worauf nicht nur die vier heimischen Bausparkassen (Raiffeisen, Wüstenrot, S-Bausparkasse und start:bausparkasse), sondern alle Finanzinstitute hoffen, gibt es auch wieder mehr - von der Kapitalertragsteuer befreite - Prämie. Nach der derzeitigen gesetzlichen Lage sind dies jedoch maximal 4 Prozent oder 48 Euro. 2016 hat der Staat insgesamt 51,4 Millionen Euro an Bausparprämie locker gemacht.

Laut VKI liegen die Nettorenditen für variabel verzinste Verträge bei 0,5 Prozent und für Fixzinsverträge zwischen 0,6 und 0,7 Prozent. Zum Einstieg gibt es bei den Bausparkassen üblicherweise spezielle Zinsangebote, die sich aber nur im einstelligen Euro-Bereich auswirkten.

Weniger neue
Bausparverträge


Im Vorjahr wurden 773.629 Bausparverträge neu abgeschlossen, nach 831.827 im Jahr davor. Der rückläufige Trend sei eine Folge der nach wie vor sehr niedrigen Sparquote, des historischen Niedrigzinsniveaus und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen privater Haushalte, so das Fazit des Arbeitsforums der Bausparkassen.

Die Bauspareinlagen gingen im vergangenen Jahr leicht von 20,48 Milliarden auf 20,421 Milliarden Euro zurück, der Stand der Ausleihungen betrug zum Jahreswechsel 18,584 (nach 18,967) Milliarden Euro.