Wien. (apa/kle) Österreichs größter Airport, der Wiener Flughafen, hat 2016 unterm Strich mit 112,6 Millionen Euro geringfügig mehr verdient als im Jahr davor. Es wäre zwar deutlich mehr gewesen. Aber eine Abschreibung von 30,4 Millionen Euro ist notwendig geworden, nachdem das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) vor kurzem den Bau der dritten Piste untersagte. Die Dividende soll - ungeachtet dessen - um ein Viertel auf 62,5 Cent je Aktie angehoben werden.

"Ich kann das nicht verstehen", sagte Vorstand Günther Ofner am Mittwoch zur BVwG-Entscheidung. In der Bilanzpressekonferenz sprachen Ofner und sein Vorstandskollege Julian Jäger von einem "völlig verfehlten Urteil". Der Flughafen werde nun alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, "um diese Entscheidung wegzubringen". Denn diese Art der Entscheidung verhindere jegliches Wachstum in Österreich, betonte Jäger.

Geplant hatte der Flughafen den Betrieb der dritten Piste ab etwa 2025 - nach sechs- bis siebenjähriger Bauzeit. Selbst wenn er bei den Höchstgerichten noch recht bekommen sollte, rechnet sein Management nun erst für das Jahr 2030 mit einem Betrieb.

Der dritten Piste einen Riegel vorgeschoben hat das BVwG, weil andernfalls der Kohlendioxid-Ausstoß im Inland steigen würde. Österreich habe sich schließlich zu einem Abbau der Emissionen verpflichtet.

Obwohl sein Urteil bisheriger Rechtsprechung widerspricht, hat das BVwG eine ordentliche Revision bei den Höchstgerichten ausgeschlossen. Der Flughafen muss daher außerordentliche Revision beantragen (bis 23. März). Laut seinen Vorständen wird er das voraussichtlich sowohl beim Verwaltungs- als auch beim Verfassungsgerichtshof tun. Zunächst müssen die Höchstgerichte überzeugt werden, eine Revision zuzulassen. Bis zu einer Klärung der Rechtslage rechnen Ofner und Jäger mit mindestens zwei Jahren.

Für 2017 Gewinnplus erwartet


Rund um den Globus würden aktuell 394 Flughäfen mit hunderten Pisten gebaut, und gerade die dritte Piste in Wien solle nun für die Zukunft des Weltklimas entscheidend sein, empörten sich Ofner und Jäger. Beide wiesen auch darauf hin, dass der Flughafen in seinem Alltagsbetrieb (ohne Flugverkehr) den Kohlendioxid-Ausstoß seit 2012 um 30 Prozent oder 14.000 Tonnen gesenkt habe. Am Ende soll die Einsparung 30.000 Tonnen betragen. Das sei auch eine Vorleistung für die dritte Piste gewesen, wie erklärt wurde.

Zum Geschäftsausblick sagten die Flughafen-Vorstände, dass für heuer ein Umsatz von mehr als 740 (Vorjahr: 741,6) Millionen und ein Nettogewinn von mindestens 120 Millionen Euro erwartet werden. Das Passagierwachstum wird zwischen null und zwei Prozent gesehen.

An der börsennotierten Flughafen Wien AG hält der australische Pensionsfonds IMF 38,16 Prozent der Anteile, die Länder Wien und Niederösterreich sind mit je 20 Prozent beteiligt, 10 Prozent gehören der Flughafen-Mitarbeiterstiftung und 11,84 Prozent der Anteile sind breit im Börsenpublikum gestreut.