Wien. Die Bawag, die mittlerweile seit fast zehn Jahren mehrheitlich der US-Investmentfirma Cerberus gehört, war zuletzt von geschäftlichen Erfolgen ziemlich verwöhnt. Mit 483,6 Millionen Euro strich die ehemalige Gewerkschaftsbank im Vorjahr den höchsten Nettogewinn in ihrer Geschichte ein. Und was die Zahl der Privat- und Firmenkunden betrifft, so lag diese Ende Dezember bei immerhin 2,2 Millionen.

Für österreichische Verhältnisse eine stolze Zahl - doch zuletzt soll das aufstrebende Institut eine nicht unbeträchtliche Zahl an Kunden verloren haben. Entsprechende Branchengerüchte sind derzeit jedenfalls im Umlauf. Der angebliche Grund: Etliche Kunden wollen nichts damit zu tun haben, dass die Bawag mit dem Fonds Cerberus einen Eigentümer hat, dessen Mitbegründer und Chef, Stephen A. Feinberg, in einem politischen Naheverhältnis zum umstrittenen republikanischen US-Präsidenten Donald Trump steht. Feinberg ist Republikaner. Überhaupt werden Cerberus-Managern in den USA schon seit jeher Verbindungen zu den Republikanern nachgesagt.

Bawag dementiert Gerüchte

Die Bawag weist die Gerüchte zurück: "Der im Jänner erfolgte Regierungswechsel in den USA hat keinerlei direkte oder indirekte Auswirkung auf die Beziehungen der Kunden zur Bawag PSK und umgekehrt." Das operative Management erfolge durch den Vorstand der Bank in Österreich, die Kunden hätten "weiterhin vollstes Vertrauen zum Produkt- und Serviceangebot". Nachsatz: "Gerüchte, wonach Kunden allenfalls aus politischen Gründen der Bawag PSK den Rücken gekehrt haben, weisen wir zurück."

Indes ist Bankchef Byron Haynes, der, wie berichtet, Ende 2017 das Zepter an seinen Vorstandskollegen Anas Abuzaakouk übergibt, bisher immer darum bemüht gewesen, die Herkunft des Hauptaktionärs der Bawag im Zusammenhang mit ihr nicht zu sehr zu betonen. Im November - nach der Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten - hatte Haynes via APA erklärt: "Ja, wir haben amerikanische Eigentümer, aber wir sind eine österreichische Bank im Herzen Europas."

Unabhängig davon wird Cerberus-Boss Feinberg, der schon während Trumps Wahlkampf in dessen Wirtschaftsgremium Mitglied war, seit Februar für einen Posten in der Administration des umstrittenen US-Präsidenten gehandelt. Laut einem Bericht der "New York Times" will Trump den 56-Jährigen, der über Cerberus auch den privaten Sicherheits- und Militärdienst DynCorp. International kontrolliert, quasi als "Aufpasser" für die von ihm geschmähten US-Geheimdienste einsetzen.

Einst größter Chrysler-Aktionär

Der Bawag will Cerberus bereits seit längerem den Rücken kehren. Doch bisher sind alle Versuche, einen potenten Käufer zu finden, gescheitert. Für die Übernahme der Bawag hatte der "Höllenhund" seinerzeit - Mitte Mai 2007 - mehr als drei Milliarden Euro bezahlt. Aktuell verwaltet Cerberus Vermögen von rund 25 Milliarden Dollar. Einst war die Fondsgesellschaft auch größter Anteilseigner von Chrysler, bis der US-Autobauer im Krisenjahr 2009 mit staatlicher Hilfe saniert wurde.