Wien. Am Samstag ist es so weit: Da wird die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) die seit Längerem vorbereitete Fusion mit ihrer Mutter Raiffeisen Zentralbank (RZB) vollziehen. Rechtswirksam wird die Verschmelzung mit der Eintragung in das Firmenbuch. Das fusionierte Institut heißt weiter Raiffeisen Bank International und bleibt an der Wiener Börse gelistet. Künftig sind die Raiffeisenlandesbanken als kontrollierende Aktionäre direkt an der RBI beteiligt - und nicht wie bisher indirekt über das Beteiligungsvehikel RZB.

"Für die RBI beginnt nun eine neue Phase. Bisher waren wir auf den Aufbau von Eigenkapital ausgerichtet, jetzt geht es um Ertragssteigerung", betonte Johann Strobl am Mittwoch. Strobl, bisher Vizechef, tritt mit der Fusion in die Fußstapfen des bisherigen Bankchefs Karl Sevelda, der in Pension geht. Wie er am Rande der Bilanzpressekonferenz sagte, könnte bereits für 2017 wieder eine Dividende gezahlt werden. In den vergangenen Jahren gingen die Aktionäre leer aus, zuletzt hatte die RBI für 2013 eine Dividende ausgeschüttet. Nach einem massiven Verlust im Jahr 2014 war das in Osteuropa breit aufgestellte Geldinstitut gezwungen, einen radikalen Schrumpfkurs zu fahren.

Fusion verschafft
Giebelkreuzern mehr Luft


Das Ziel der Fusion ist vor allem, bei der RZB ein für den Raiffeisen-Bankensektor nicht unerhebliches Kapitalproblem zu lösen. In der Vergangenheit konnte sich die RZB das Eigenkapital ihrer Tochter RBI nur zum Teil anrechnen, weil diese über die Börse Minderheitsaktionäre hat. Damit war die Kapitalquote der RZB geschmälert und nicht gerade üppig, beim europaweiten Bankenstresstest 2015 war das Raiffeisen-Spitzeninstitut eines der Schlusslichter gewesen. Mit der Fusion fällt dieser Kapitalabzug nach Minderheiten nun weg. Dies sollte dem dezentral organisierten Raiffeisen-Bankensektor künftig wieder mehr Luft verschaffen.

Mittelfristig will Strobl die harte Kernkapitalquote der neustrukturierten RBI auf 13 Prozent steigern. Per Jahresende 2016 lag diese laut einer Pro-forma-Rechnung für die fusionierte Bank bei 12,4 Prozent. Das bisherige Ziel von mindestens zwölf Prozent bis Ende 2017 ist damit trotz Fusion mit der schwächer kapitalisierten RZB bereits erreicht, allerdings drückt die Verschmelzung die Kapitalquote vorerst nach unten. Ohne Fusion mit der Mutter kam die Raiffeisen Bank International per Ende 2016 auf 13,6 Prozent.

Kosten im Verhältnis zum
Ertrag derzeit noch zu hoch


Im vergangenen Jahr hat die RBI ihren Gewinn unterm Strich um gut 22 Prozent auf 463 Millionen Euro gesteigert - vor allem dank kräftig gesunkener Vorsorgen für Kreditrisiken. "Wir haben in allen Regionen unser Ergebnis deutlich verbessert", sagte der scheidende Bankchef, Sevelda. "Auf Länderebene freue ich mich vor allem über die Turnarounds in Ungarn und der Ukraine." Dort hatte die RBI zuvor über viele Jahre tiefrote Zahlen geschrieben.

Insgesamt noch unzufrieden ist Seveldas Nachfolger aber mit der Kostensituation im Konzern. "Kosten und Erträge müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen", sagte Strobl. Mit 60,7 Prozent sei die sogenannte Cost-Income-Ratio derzeit noch zu hoch. Mittelfristig soll diese Kennzahl auf 50 bis 55 Prozent sinken.

Die Kosten hinunterfahren will Strobl vor allem bei der polnischen Tochter Polbank, deren Gewinn im Vorjahr drastisch eingebrochen ist. Ohne Zahlen zu nennen, kündigte er einen weiteren Personalabbau an. Zuletzt hatte die Polbank gut 4240 Mitarbeiter, bereits 2016 waren im Zuge von Filialschließungen fast 900 Jobs gekappt worden. Die Polbank müsse jedenfalls fit gemacht werden für den vom polnischen Regulator geforderten Börsengang von 15 Prozent bis Ende Juni, so Strobl. "Darauf konzentrieren wir uns jetzt." Ursprünglich wollte die RBI die Bank im Vorjahr verkaufen, doch sie scheiterte damit überraschend.