Wien. (ede) "Dieselgate" kommt dem deutschen Volkswagen-Konzern teuer zu stehen. Die Aufarbeitung des Abgas-Skandals kostet den Autobauer in den USA umgerechnet über 20 Milliarden Euro, der Großteil davon sind Schadenersatzzahlungen für geschädigte Verbraucher. Für europäische Autobesitzer gab es bisher - nichts. Dies war für den ehemaligen Chefjuristen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Peter Kolba, der Anstoß für die Gründung von Cobin Claims, einer Plattform für Sammelaktionen bei Massenschäden.

Kolba leitete bis Ende Jänner die Rechtsabteilung des VKI, die er 1990 übernommen hatte. Zuletzt war er etwa im VW-Abgasskandal und in Sachen Schiffs- und Hollandfonds der deutschen Firma MPC aktiv. Jetzt braucht er mindestens 61.000 Euro, um mit Cobin Claims - Cobin steht für Consumer, Business und Investoren - an den Start gehen zu können. Kolba und seine Mitstreiter wollen das Geld in den kommenden 90 Tagen über die deutsche Crowdfunding-Plattform Startnext einsammeln, wie sie am Donnerstag vor Journalisten ankündigten. Cobin Claims ist vorerst als Verein organisiert, soll aber letztlich als gemeinnützige Stiftung auftreten, die von drei Vorständen geführt wird. Neben Kolba sind dies der Journalist und Jurist Oliver Jaindl und Manfred Biegler, Gutachter bei Finanzskandalen.

Eine der Hauptfunktionen des Vereins ist es, bei Massenschäden Ansprüche möglichst vieler Betroffener zu sammeln und zu verfolgen, und zwar nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Klein- und Mittelbetriebe.

In Europa lohne sich das Unrecht für Konzerne, kritisiert Kolba: "Bei Massenschäden machen 75 Prozent der Geschädigten nichts." Das Prozesskostenrisiko sei für den Einzelnen zu hoch. Die Juristen von Cobin sammeln die Ansprüche Betroffener, prüfen und kategorisieren sie und bieten den Fall einem Prozessfinanzierer an. "Geschädigte haben mit Sicherheit kein Kostenrisiko", heißt es. Eventuell werde von ihnen ein moderater Beitrag in der Größenordnung von 100 bis 150 Euro verlangt. Am besten könne man die Tätigkeit von Cobin Claims mit dem Kampf David gegen Goliath vergleichen, sagte Kolba.

"Echte" Sammelklagen, wie etwa in den USA, gibt es hierzulande noch nicht. Es ist nur die Sammelklage "österreichischer Prägung" zulässig, die auf einem vom VKI entwickelten Konzept basiert. Ein Verband wie etwa der VKI oder die Arbeiterkammer lässt sich Ansprüche von Geschädigten gegen denselben Beklagten im Wege der Inkassozession abtreten und macht diese dann - unter Einschaltung eines Prozessfinanzierungsunternehmens - gemeinsam in einer Klage gegen den Beklagten geltend.