Teheran/Wien. Wien wird ab dem kommenden Sommer ein weiteres Mal seinem Ruf als Brücke zwischen dem Iran und Europa gerecht. Diesmal geht es aber nicht um die politische Brücke, die Österreich stets herstellt, sondern um den Luftraum: Die AUA baut ihren Iran-Schwerpunkt weiter aus und wird europaweit zur Airline mit den meisten wöchentlichen Flügen in den Iran.

Neben den bisherigen 17 Flügen in den Iran wird ab 2. Juli sowohl um einen Flug mehr nach Isfahan aufgestockt als auch mit Shiraz eine zusätzliche dritte Iran-Destination in den Sommerflugplan aufgenommen. Dann wird die AUA 18 Mal mit Airbus-A320 Maschinen direkt und viermal über Isfahan nach Shiraz in den Golfstaat abheben.

AUA-Chef Kay Kratky macht aus seinem Interesse für den Iran im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" kein Geheimnis. "Der Iran war schon immer eine interessante Destination und birgt nach der Lockerung des Embargos eine Menge Potenzial. Mit Isfahan, Shiraz und Teheran verbinden wir die drei wichtigsten iranischen Metropolen mit Europa und hoffen auf viele Businesskunden", so Kratky.

Viel wirtschaftliches Interesse

Möglich geworden ist dieser bewusst gesetzte AUA-Schwerpunkt durch den Atomdeal vom 14. Juli 2015 zwischen dem Westen und dem Iran. Dieser besagt, dass Teheran sein Nuklearprogramm einschränkt und dafür vom Westen die nuklearbezogenen Sanktionen aufgehoben werden.

Dieser Prozess wiederum bedeutet ein "Go" für die heimische Wirtschaft, die jahrelang in Sanktionszeiten die gelbe oder rote Karte gezeigt bekommen hatte, und zwar vor allem von den Banken. Mehr als 300 österreichische Firmen sind derzeit im Iran aktiv. Rund 5000 weitere Unternehmen prüfen ein Engagement.

Neu ist das Iran-Engagement der Lufthansa-Tochter AUA nicht. Bereits seit mehr als 35 Jahren war der Iran neben den Schwerpunkten Ost- und Mitteleuropa sowie Naher und Mittlerer Osten - sieht man vom Höhepunkt der Sanktionen gegen die Islamische Republik 2012 bis 2013 ab - ein "Lieblingskind" bei den Destinationsplanern der AUA. Und dann kommt noch der regionale Effekt dazu, da der Iran als derzeit ruhig und sicher gilt. Da die Lage im Nahen und Mittleren Osten bedingt durch die politischen Ereignisse sehr angespannt ist und die AUA klassische Ziele wie Istanbul, Tripolis oder Damaskus nicht mehr anfliegen kann oder will, ist der Iran als regionaler "Keyplayer" umso interessanter.

Dementsprechend enthusiastisch bemühte sich die 2010 pensionierte AUA-Iran-Beauftragte Ferry Sadri rund 30 Jahre lang für die AUA, das Iran-Geschäft in Österreich zu beleben und den damals rund 10.000 Persern in Wien helfend zur Seite zu stehen, wenn ein dringender Iran-Flug gebraucht wurde. Auch nach der Ära Sadri bemühte sich das Unternehmen intensiv um die iranische Community, etwa durch Werbemaßnahmen bei iranischen Neujahrsfeierlichkeiten der Vereinigung iranischer Ärzte oder Ingenieure in Österreich.

Anoosheh Nazarian heißt Sadris Nachfolgerin als Iran-Beauftragte in der AUA, und auch sie will die mittlerweile auf 25.000 gewachsene iranischsprachige Community mit diversen Zuckerln und Ermäßigungen möglichst gut ansprechen. "Bitte nehmt unser Iran-Angebot möglichst intensiv in Anspruch, damit wir die Strecken halten können", lautete der Appell Nazarians beim jüngsten persischen Neujahrsfest in Wien, das gleichzeitig mit dem Frühlingsbeginn am 20. März stattfand.

Iran Air mit neuen Flugzeugen


Neben der AUA fliegt auch die staatliche iranische Fluggesellschaft Iran Air ein- bis zweimal wöchentlich direkt von Wien nach Teheran. Und zwar nach dem Ende der Sanktionen mit frisch gekauften Airbus-Flugzeugen der A320er Gruppe. Denn die Aufhebung der Sanktionen bewirkte auch, dass der Iran erstmals nach mehr als 38 Jahren wieder neue Flugzeuge kaufen konnte.

AUA fliegt nach Los Angeles


Unterdessen fliegt die AUA seit Montag eine neue Langstrecken-Destination in den USA an: Bis zu sechs Mal pro Woche - aber nur im Sommerflugplan - geht es mit einer Boeing 777 in die größte Stadt Kaliforniens, nach Los Angeles. Nach Chicago, Newark und Miami ist Los Angeles die vierte neue amerikanische AUA-Strecke binnen vier Jahren und mit zwölfeinhalb Stunden Flugzeit die längste Strecke im AUA-Langstreckenflugplan.