Wien. Acht Monate haben der Wiener Öl- und Gaskonzern OMV und der Verbund, der größte Stromproduzent, sondiert. Doch nun ist es fix: Beide Unternehmen gehen eine längerfristige Kooperation ein. Dieser Schulterschluss umfasst gemeinsame Projekte rund um Zukunftsthemen im Energiebereich. In einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag wollen Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber und OMV-Vorstand Manfred Leitner Näheres bekanntgeben.

Eine Kapitalverschränkung der beiden teilstaatlichen Energiekonzerne ist im Rahmen der Kooperation aber nicht geplant. Beim Verbund hält die Republik 51 Prozent der Anteile, bei der OMV sind es 31,5 Prozent. Beide Unternehmen sind in Wien börsennotiert.

Die Kooperation betrifft mehrere Eckpunkte. Das Thema Wasserstoff als "Technologie der Zukunft" spielt dabei dem Vernehmen nach eine "wichtige Rolle, aber nicht die einzige". Ein besonderes Augenmerk wollen OMV und Verbund auch auf das Thema Mobilität legen. Geplant ist hier etwa, an den OMV-Tankstellen für ein breiteres Angebot an "Treibstoffen" zu sorgen - wobei die OMV wie bisher das Geschäft mit Benzin und Diesel betreibt und der Verbund für E-Ladestationen zuständig ist.

Grüner Wasserstoff


Nichtsdestotrotz gilt der Themenbereich Wasserstoff als einer der zentralen Punkte des jetzigen Kooperationspakts. Konkret geht es um grünen Wasserstoff, der mittels Elektrolyse aus Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie erzeugt werden kann. Beide Konzerne sehen da vielfältige Einsatzmöglichkeiten, wie sie schon im August 2016 betonten, als sie bekanntgaben, eine "weitreichende" Zusammenarbeit zu prüfen. Wie es damals in einer gemeinsamen Aussendung hieß, sei grüner Wasserstoff "als Industrierohstoff und als Treibstoff der Zukunft für eine nachhaltige Mobilität" einsetzbar, aber auch "für die Energiespeicherung, um die volatile Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energien auszugleichen".

In der Produktion und Vermarktung von Wasserstoff wollen OMV und Verbund künftig gemeinsame Wege gehen. Das dürfte auch für ihre Forschungsaktivitäten in diesem Bereich gelten. Die OMV hat bereits ein paar Wasserstofftankstellen in Betrieb: in Wien, Innsbruck, Linz und seit wenigen Wochen auch in Graz. Eine weitere Station soll Ende Mai in Wiener Neudorf eröffnet werden.

OMV zahlt für Nord Stream 2


Am Montag ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Umsetzung des in der EU umstrittenen Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2 gemacht worden. Wie die OMV mitteilte, unterzeichnete die Projektfirma Nord Stream 2 AG Finanzierungsverträge mit ihr, Engie, Shell, Uniper und Wintershall. Diese fünf Konzerne hätten sich zu einer langfristigen Finanzierung von 50 Prozent der gesamten Projektkosten von derzeit erwarteten 9,5 Milliarden Euro verpflichtet. Gazprom bleibt indes alleiniger Aktionär der Nord Stream 2 AG. Laut OMV werden die einzelnen Konzerne jeweils bis zu 950 Millionen Euro stemmen.