Staatssekretär Harald Mahrer testet einen digitalen "Cube" für intelligente Geschicklichkeitsspiele beim Spiele-Entwickler Mi’pu’mi Games. - © BMWFW/Christian Lendl
Staatssekretär Harald Mahrer testet einen digitalen "Cube" für intelligente Geschicklichkeitsspiele beim Spiele-Entwickler Mi’pu’mi Games. - © BMWFW/Christian Lendl

Wien. Österreich ist nicht nur ein attraktiver Industriestandort und Tourismusweltmeister, auch die heimische Kreativwirtschaft kann sich sehen lassen. Jedes zehnte österreichische Unternehmen ist mittlerweile diesem Wirtschaftsbereich zuzurechnen. Mehr als 42.000 Kreativunternehmen erzielten zuletzt mit rund 150.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 22 Milliarden Euro.

Gemessen an Umsatz und Beschäftigung zählen die Sektoren Software und Games, Werbung, Markt für darstellende Kunst - darunter fallen unter anderem künstlerisches und schriftstellerisches Schaffen und der Betrieb von Kultureinrichtungen - sowie Buch- und Verlagswesen zu den größten Bereichen. Das geht aus dem 7. Kreativwirtschaftsbericht hervor, der am Mittwoch von Staatssekretär Harald Mahrer vorgestellt wurde.

Erstmals wurde dabei die gesamte Wertschöpfungskette von Kreativwirtschaftsleistungen betrachtet. Fazit: Die Unternehmen sichern in Summe 303.000 Arbeitsplätze in der österreichischen Wirtschaft ab, oder, anders betrachtet: Drei Arbeitsplätze in der Kreativwirtschaft sichern zwei weitere in der restlichen Wirtschaft ab. Die generierte Wertschöpfung beläuft sich auf 18,7 Milliarden Euro.

"Wahnsinnig
transformative Kraft"

"Die Kreativwirtschaft hat eine wahnsinnig transformative Kraft und löst bedeutende positive Crossover-Effekte aus, die weit über ihre eigene Wirtschaftsleistung hinausgeht", betonte Mahrer. Sie könne mit ihren spezifischen Leistungen in anderen Wirtschaftszweigen dazu beitragen, diese attraktiver zu gestalten und deren Vermarktung zu fördern. "Die Kunden machen mehr Umsatz und schaffen Jobs", bringt es Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria auf den Punkt.

Mahrer hat Mitte des Vorjahres gemeinsam mit WKO-Vizepräsidentin und Vorsitzender von "Frau in der Wirtschaft", Martha Schultz, die erste Kreativwirtschaftsstrategie für Österreich präsentiert. Diese werde jetzt Schritt für Schritt umgesetzt. "Ein großes Thema sind flexible Arbeitszeiten", so Mahrer. Gerade Unternehmen, die international kooperieren, würden etwa bei großen Zeitunterschieden nicht um Videokonferenzen in den Nachtstunden herumkommen. Österreich brauche ein modernes Arbeitsrecht, die Arbeitnehmervertretern, denen das nicht klar sei, seien in der "gedanklichen Steinzeit" unterwegs, kritisiert Mahrer. "Der Geistesblitz kommt nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr", so KMU-Forscher Voithofer.

Schultz wies darauf hin, dass die Kreativunternehmen auch in der Krise gewachsen seien, vor allem in den Bundesländern Kärnten und Oberösterreich. Die meisten Kreativunternehmen befinden sich jedoch nach wie vor in Wien, wo auch die meisten Umsätze gemacht werden. Mit rund 18 Prozent ist auch der Anteil der "Kreativen" an allen Unternehmen in Wien mit Abstand am höchsten.

Rund 60 Prozent der Unternehmen der Kreativwirtschaft bestehen aus einer Person, 28 Prozent beschäftigen zwei bis vier Mitarbeiter. Der Anteil an jungen Unternehmen ist hoch: Fast 40 Prozent der kreativwirtschaftlichen Unternehmen sind jünger als zehn Jahre.

Hauptkunden sind andere Unternehmen

44 Prozent der Kreativunternehmen rechnen sich schwerpunktmäßig der Entwicklung und Konzeption zu, Business-to-Business-(B2B-)Beziehungen sind vorherrschend: 78 Prozent zählen andere Unternehmen und Selbständige zu ihren Kunden. Maßgeblich sind, so die Autoren des Kreativwirtschaftsberichts, Crossover-Effekte in den Bereichen Industry-, Netzwerk- und Wissens-Crossover. Diese reichen von einer Stärkung der Innovationsleistung anderer Wirtschaftsbereiche, der Erhöhung der Attraktivität von Städten und Regionen und der Stärkung regionaler Wertschöpfungs- und Innovationssysteme sowie in Innovationsbeiträgen für New Public Management bis zum Gesundheitswesen.

91 Prozent der Kreativunternehmen sind innovationsaktiv, drei Viertel haben in den vergangenen drei Jahren neue Produkte oder Dienstleistungen für Kunden erstellt. Der Innovationsschwerpunkt liegt auf neuartiger Gestaltung (57 Prozent) und Technologieanwendung (53 Prozent).