Wien. Nur ein kurzes Tippen mit dem Finger - und schon ist die Überweisung getätigt. Was vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction galt, ist heute Realität. Mit inzwischen mehr als 300.000 Kunden ist die junge Start-up-Bank N26 auf dem Weg, ihre Vision der ersten rein digital konzipierten und paneuropäischen Bank zu verwirklichen. Hinter der Idee stehen zwei junge Wiener.

Ganz dem Stil der boomenden Start-up-Szene entsprechend, entstand das Projekt auf einer Wohnzimmercouch in Wien. Mittlerweile wurde der Sitz nach Berlin verlegt. Die beiden Erfinder von N26 stammen aber beide aus Wien und entsprechen so gar nicht dem klassischen Typus des Bankers. Klischeehafte Gadgets wie Rolex oder Luxusauto sucht man in der Berliner Zentrale von N26 vergeblich, und auch der in der traditionellen Bankenbranche als Uniform geltende dunkle Anzug ist Mangelware. Hier sitzen junge Leute in Jeans und T-Shirt. Auch das Ambiente erinnert eher an den Gerstenboden der Ottakringer Brauerei, keine Spur von Marmor oder Parkett. Wüsste der Besucher nicht, dass er im Hauptquartier einer Bank steht, er könnte sich genausogut in einem Internetcafé wähnen.

Valentin Stalf (31) und Maximilian Tayenthal (36) treten im Pulli auf. Man ist untereinander per Du. Stalf beschreibt das Arbeitsumfeld so: "Im Start-up herrscht ein extrem dynamisches Umfeld, viel Verantwortung und eine der steilsten Lernkurven überhaupt." Tayenthal ergänzt: "Wir haben viele junge Mitarbeiter, die deshalb zu uns kommen, weil sie sich erwarten, mehr zu lernen als anderswo. Das trifft zu - auch für uns beide."

Grenzenloser digitaler Markt


"Der große Vorteil unserer Zeit ist, dass es für den Markt, den wir bearbeiten, egal ist, wo wir sitzen. Wir haben heute Kunden in insgesamt 17 Ländern - das ist ein riesiger Vorteil des EU-Binnenmarkts. Digitale Geschäftsmodelle sind gut skalierbar, die Operations sitzen an einer Stelle, aber die Kunden können überall sein", erklärt Tayenthal. Das unterstreicht auch sein Gründungspartner Stalf: "N26 ist die modernste Bank Europas und auf die Bedürfnisse der Digital-Natives-Generation zugeschnitten. Sie funktioniert komplett am Smartphone und setzt im Banking einen neuen Standard, wie Spotify oder Uber in anderen Bereichen."

Was bedeutet das für die Kunden? Die Kontoeröffnung dauert nur acht Minuten, ganz ohne Besuch einer Filiale. Die Verifizierung der User passiert am Laptop oder Tablet über eine Kamera. Konto und Mastercard sind kostenlos, alles ist über die App steuerbar - vom PIN für die Karten über den Überziehungsrahmen bis hin zu Sparprodukten und Investments. "Bei uns kann der Kunde mit einem Klick seine gesamten Finanzen am Smartphone managen", erzählt Stalf stolz.

Möglichst userfreundlich


Zum Beispiel sortiert die App die Ausgaben übersichtlich nach Rubriken. Bei jeder Kontobewegung erhält der Kunde sofort eine Push-Mitteilung aufs Handy. Das ist kundenfreundlich - aber reicht es auf Dauer aus? Theoretisch könnte jede herkömmliche Bank ähnliche Userfreundlichkeit anbieten. Tayenthal sieht das anders: "Eine traditionelle Bank verändert das Interface, aber wenn man ein Konto eröffnen oder Geld veranlagen will, muss man in die Filiale und sich mit dem Papierkram herumschlagen. Das Interface ist okay, aber die Umsätze werden zeitverzögert dargestellt. Man muss zum Beispiel eine Hotline anrufen, um eine Karte sperren zu lassen. Bei uns gehen die Kunden in die App, sperren die alte Karte und bestellen eine neue. Und wenn sie in einem Geschäft stehen und etwas kaufen wollen, wissen sie binnen Sekunden, ob sie den Dispo dafür bekommen - und haben dann das Geld auch sofort zur Verfügung."

Stalf ergänzt: "Wir haben nicht nur eine neue User-Experience geschaffen, sondern auch alle Produkte von Anfang an digital gebaut. Dadurch ist unser Modell extrem skalierbar - wir haben in Berlin 200 Mitarbeiter, bauen aber eine Bank für mehrere Millionen Kunden auf." Konkret bedeutet das: N26 bietet die gleichen Produkte wie traditionelle Banken, konzipiert und produziert diese aber ohne den oft schwerfälligen Apparat einer über viele Jahrzehnte gewachsenen Bankstruktur. So kann das noch junge Unternehmen theoretisch genauso viele Kunden betreuen wie jede andere Bank.

Hilfe von White-Hat-Hackern


Gerade nach den jüngst bekannt gewordenen Sicherheitsproblemen der Mobilfunknetze (Hacker hatten mit einem Trick mTAN-SMS abgefangen und deutsche Konten - nicht bei N26 - leergeräumt) wurde der Branche allerdings wieder einmal vor Augen geführt, dass Kriminelle stets neue Sicherheitslücken finden. N26 hat daher vorigen Dezember ein sogenanntes Bug-Bounty-Programm gestartet: Hacker-Talente auf der ganzen Welt sollen theoretische Sicherheitslücken unter rechtlichen Rahmenbedingungen und ohne Kunden zu schaden aufstöbern und an N26 melden.

Die Bank verweist zudem darauf, dass die Kunden in derselben Sekunde, in der eine Kontobewegung stattfindet, darüber per Push-Benachrichtigung informiert werden und so im Notfall sehr schnell reagieren können. Vom Bug-Bounty-Programm erwartet die Bank nun Erkenntnisse über reale Schwachstellen, da die darin agierenden Hacker wohl dieselben Angriffspunkte wählen würden wie echte. "Wir wollen die Kooperation mit White-Hat-Hackern fest in unser Sicherheitskonzept integrieren", sagt Stalf dazu.