In Wien an Grenzen gestoßen


Bleibt die Frage, wieso sie das nicht alles von Wien aus tun - immerhin wurde das Unternehmen ursprünglich hier gegründet. Bald, erzählen die Gründer, stießen sie hier aber an ihre Grenzen: "In Berlin haben wir deutlich besseren Zugang zu Investoren. Als wir in Wien gegründet hatten, gab es nicht viele Venture-Capital-Investoren in Österreich. Wenn man mit drei bis vier bekannten Gesichtern gesprochen hatte, musste man schon ins Flugzeug steigen", berichtet Tayenthal. "Ausschlaggebend war also letztlich die Größe der existierenden Start-up-Szene, auch für das Recruiting."

Zur Auswahl standen London und Berlin. Die Entscheidung für die deutsche Hauptstadt hat sich hinsichtlich der jüngsten politischen Entwicklungen in Großbritannien als goldrichtig herausgestellt. Die Unsicherheit durch den bevorstehenden Brexit wäre für das junge Unternehmen im Fundraising eine Katastrophe und brächte auch noch andere Probleme mit sich: N26 ist mit einer Lizenz der Europäischen Zentralbank ausgestattet und kann somit im gesamten Binnenmarkt gleichermaßen agieren. "Unser Geschäftsmodell funktioniert nur aufgrund der Europäischen Union. In London bräuchten wir in zwei Jahren eine neue Lizenz und kämen nicht mehr so leicht an internationale Mitarbeiter", erläutert Tayenthal. "Säßen wir in London, würden uns plötzlich 27 Länder als Markt wegfallen", ergänzt Stalf. "So fällt nur eines weg. Das große Projekt der EU war und ist der gemeinsame Markt, der die Fragmentierung überwindet. Insbesondere im digitalen Bereich sind wir nur mit einem großen Binnenmarkt international konkurrenzfähig."

Ihren Kontakt zu Wien halten die beiden Jungbanker dennoch aufrecht, regelmäßige Besuche zuhause inklusive: "So weit ist es ja doch nicht", meint Stalf mit einem Schmunzeln. Und natürlich verfolgen sie die Entwicklungen in der Heimat laufend mit: "Österreich liegt uns sehr am Herzen. Dass die Politik jetzt endlich Start-ups auf ihre Agenda genommen hat, ist sehr erfreulich. Wien ist heute viel weiter als vor fünf Jahren und entwickelt sich, das ist sehr gut und sehr wichtig."

N26

Der Name der Bank N26 kommt vom Rubik-Würfel. Dieser besteht aus 26 einzelnen Würfeln und ist sehr komplex - und dennoch mit der richtigen Strategie in wenigen Schritten lösbar. 2013 haben Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal ihre Start-up-Bank gegründet, die inzwischen ein Investitionsvolumen von knapp 50 Millionen Euro umfasst. Zu den ersten Investoren zählten Axel Springer, Earlybird, Horizons Ventures und verschiedene Business Angels.

Reizthema Datensicherheit

Wenige IT-Experten wollen sich namentlich aus der Deckung wagen, wenn es um die Sicherheit beim elektronischen Banking geht. Kein Wunder: Für die Kunden ist dieses Thema wenig interessant, da im Zweifelsfall die Bank mit Kulanzlösungen einspringt, wenn wirklich einmal etwas geschehen ist und die Schuld dabei nicht eindeutig beim Anwender lag - was freilich nicht immer auszuschließen sein dürfte.

"Viele Kunden verwenden digitales Banking so, als würden sie ihren PIN-Code auf die Bankomatkarte schreiben", ist etwa von einem Branchenvertreter, der lieber anonym bleiben will, auf Nachfrage zu hören. Wenn etwa der PIN-Code aus dem eigenen Geburtsdatum besteht und dann auch noch als Passwort für E-Mail-Konto und Banking-App dient, ist die Sicherheitsstufe nun einmal gering.

Vorfälle anderer Art sind dennoch denkbar. So ist es zum Beispiel dem Hacker Tobias Engel bereits im Jahr 2014 gelungen, SMS abzufangen und Telefone zu lokalisieren, ohne sich physisch in der Nähe der Angegriffenen befinden zu müssen. Es ist also durchaus möglich, Bankkonten digital zu räumen - auch wenn, wie Zahlungsdienstleister betonen, der Schaden dann immerhin nachvollziehbar und - anders als etwa beim Verlust der Brieftasche - daher zumeist auch ein Versicherungsfall sei.