Wien. Heute, Donnerstag, fällt offiziell die Entscheidung, wer Karl Stoss an der Vorstandsspitze der Casinos Austria beerben soll. Um 14.00 Uhr treten die Aufsichtsräte des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns, zu dem auch die Lotterien gehören, zusammen.

Auch wenn es sich dabei um ein außerordentliches Treffen handelt: Der Beschluss des Kontrollgremiums dürfte nur noch Formsache sein. Die Weichen für die Neubesetzung des Casinos-Chefpostens sollen nämlich schon vor zehn Tagen im Personalausschuss gestellt worden sein. Bleibt es dabei, dann wird der 54-jährige Tiroler Manager Alexander Labak im Chefsessel Platz nehmen. In informierten Kreisen hatte es vor dem heutigen Aufsichtsrat jedenfalls wiederholt geheißen, dass dessen Bestellung de facto fix sei. Von den Casinos Austria gab es dazu am Mittwoch weder ein Dementi noch eine Bestätigung.

Wohlbestelltes Haus

Labak, ein studierter Ökonom, war in seiner bisherigen Berufskarriere bereits für eine Reihe von Unternehmen als Manager in leitenden Funktionen tätig - etwa für den Markenartikler Henkel, den Pharmazie- und Konsumgüterproduzenten Johnson & Johnson, die Deutsche Bank, das Kreditkartenunternehmen Mastercard und die auf Konsumentenkredite spezialisierte Bankengruppe Home Credit. Zuletzt soll Labak in London tätig gewesen sein.

Wann Stoss’ Nachfolger als Casinos-Chef sein Amt antreten wird, ist noch unklar. Der Vorstandsvertrag von Stoss läuft zwar bis Ende 2017. Beobachter gehen aber von einem früheren Ausscheiden aus.

Stoss hatte das Zepter bei den Casinos im Mai 2007 übernommen. Zu seinem vor wenigen Wochen überraschend angekündigten Abgang meinte der gebürtige Vorarlberger, wie viele Sportler, die nach ihrem größten Erfolg zurücktreten, wolle auch er gehen, "wenn es am schönsten ist". Präsident des Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) bleibt er jedoch.

Stoss übergibt ein wohlbestelltes Haus. Das vergangene Jahr bescherte dem Casinos-Austria-Konzern eine Rekordbilanz: Der Umsatz legte 2016 um acht Prozent auf 3,89 Milliarden Euro zu, wobei der Nettogewinn mit 91,2 Millionen Euro um fast zwei Drittel höher ausfiel als im Jahr davor. Als positiv erwies sich, dass die Auslandstochter CAI - lange ein Sorgenkind - erstmals seit 2009 wieder schwarze Zahlen schrieb.

Neue Großaktionäre


Bei der Casinos-Eigentümerstruktur war zuletzt viel in Bewegung. Jedenfalls hat der künftige Chef auch mit neuen Kernaktionären zu tun. Der niederösterreichische Glücksspielriese Novomatic ist inzwischen mit gut 17 Prozent an den Casinos beteiligt. Daneben haben sich die tschechischen Milliardäre Jiri Smejc und Karel Komarek eine 34-prozentige Beteiligung gesichert. Hier stehen aber noch behördliche Genehmigungen aus, erst dann können die Eigentumsrechte ausgeübt werden.