Wien/Maria Enzersdorf. Der niederösterreichische Energieversorger EVN hat im ersten Geschäftshalbjahr 2016/17 (Oktober bis März) vom kalten Winter und einem Einmaleffekt in Bulgarien profitiert. Höhere Strom- und Gasabsätze sowie ein verstärkter Einsatz kalorischer Kraftwerke ließen den Umsatz um 9,4 Prozent auf 1,310 Milliarden Euro klettern, das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 10 Prozent auf 319,6 Millionen Euro.

Das Konzernergebnis stieg im Jahresabstand um 23,1 Prozent auf 233,8 Millionen Euro. Dabei resultierten rund 38 Millionen Euro davon aus einem außergerichtlichen Vergleich um Ökostromkosten mit der staatlichen bulgarischen Stromgesellschaft NEK im heurigen Februar. Dieser Positiveffekt soll in diesem Ausmaß auch das Konzernergebnis im Gesamtjahr 2016/17 über jenes des Vorjahres anwachsen lassen.

Start der Smart-Meter-Einführung


Die EVN startet heuer die Smart-Meter-Einführung. Der Energieversorger rechnet damit, das EU-Ziel zu erreichen, wonach 80 Prozent der Kunden bis 2020 mit digitalen Stromzählern ausgestattet sein müssen, sagte Unternehmenschef Peter Layr bei der Halbjahrespressekonferenz. Die EVN rechne damit, dass vielleicht drei bis fünf Jahre später mehr oder weniger alle alten nicht-digitalen Ferraris-Zähler aus dem Netz seien.

Die Netztochter Netz Niederösterreich sei dabei, die Smart-Meter-Ausrollung jetzt vorzubereiten. Man habe dabei das gleiche Problem wie die Branche, dass die Zählerindustrie Dinge versprochen habe, die sie nicht wirklich zeitgerecht erfüllen könne. Bei den Energiepreisen für Haushalte sei weiter auf längere Sicht mit stabilen Preisen zu rechnen.

Der Umbau des Stromsystems Richtung Erneuerbare schreite zügig voran, es komme aber zu Instabilitäten, so Layr. Daher sei es zur Versorgungssicherheit wichtig, thermische Kapazitäten im Hintergrund zu haben, wie der heurige Winter gezeigt habe. Zusätzlich zur Versorgungssicherheit habe die EVN einen neuen Fokus Versorgungsqualität. Dabei gehe es um die Eigenschaften des Netzes, an das man anschließt, ob es beispielsweise Spannungsstabilität habe. Hier spiele auch die Digitalisierung eine Rolle. "Digitalisierung funktioniert nur bei sehr guter Versorgungsqualität", sagte Layr.

Netzausbau in Niederösterreich schreitet voran


Der Netzausbau in Niederösterreich schreite zügig voran, investiert werde auch in die Ortsnetze. Fortgesetzt wird der Ausbau der Erneuerbaren Energie. Die Winderzeugungskapazität der EVN liegt derzeit bei rund 270 Megawatt (MW). Das kurzfristige Ziel für Niederösterreich liege bei 300 MW. Mittelfristig werden - bei geeigneten Rahmenbedingungen - 500 MW angepeilt, das sei für niederösterreichisches Gebiet als optimal anzusehen. Das mehrjährige 1-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm für Niederösterreich werde heuer abgeschlossen.

Ein Schwerpunkt der Investitionen ist die Trinkwasserversorgung. Im Bereich der E-Mobilität gibt es seit Jahresbeginn eine flächendeckende Grundversorgung mit EVN-E-Ladestationen in Niederösterreich und auch Gemeinschaftsprojekte etwa mit der NÖ Wirtshauskultur.

Müll aus Rom für Zwentendorf


Für die Müllverbrennungsanlage Zwentendorf wurde eine weitere Absicherung für die Zukunft durch die Erneuerung des Vertrages mit dem Hauptkunden, den Niederösterreichischen Abfallverbänden (Niederösterreichische Beteiligungsgesellschaft für Abfallwirtschaft und Umweltschutz/BAWU) erreicht. Die Altverträge laufen mit Ende 2018 aus, ab 1. Jänner 2019 beginnt der neue Vertrag. Sie liefern mehr als 200.000 Tonnen pro Jahr.

Die EVN hat auch andere Kunden aus Niederösterreich, die Müll nach Zwentendorf liefern. Restmengen füllt die EVN mit anderen Abfällen auf, unter anderem mit Müll aus Rom. Mit Rom habe die EVN 70.000 Tonnen pro Jahr unter Vertrag - für ein Jahr, so Layr. Dann könne man entscheiden, wie es weitergehe, es sei keine unattraktive Sache. Laut der römischen Tageszeitung "Il Messagero" zahlt die römische Müllentsorgungsgesellschaft AMA (Azienda Municipale Ambiente) für jede Tonne in Zwentendorf entsorgten Abfall 139,81 Euro.