Wien. 17 Österreicher sind am Pfingstwochenende aus dem italienischen Badeort Lignano ausgewiesen worden, weil sie betrunken randaliert hatten. Weitere 19 Österreicher wurden wegen Trunkenheit, Obszönitäten und Urinierens auf der Straße angezeigt. Auch wenn solche Phänomene nicht alltäglich sind, hat der Tourismus dennoch ein Alkohol-Problem, sagt Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung. Ausufernde Exzesse gebe es von der Skihütte in Österreich bis hin zum Ballermann auf Mallorca. Die Teilnehmer seien meist männlich und jung, derartige Ereignisse werde es auch immer wieder geben.

"Die Vorfälle in Lignano sind aber nicht der Beginn des Ausuferns", sag Zellmann. Die Informationen würden sich heute rascher verbreiten, in Summe hätten die Exzesse eher nachgelassen. Tourismusverbände und Unternehmer seien in letzter Zeit gegen "Massenbesäufnisse" vorgegangen, was offenbar Wirkung gezeigt habe. Wirkliche Hot-Spots gibt es laut Zellmann heute keine mehr, sogar Mallorca habe sich deutlich verbessert. Exzessiver Alkoholkonsum fände heute eher punktuell statt, wie auf Maturareisen in Hotel-Anlagen. "Aber auch da ist der Höhepunkt überschritten", sagt Zellmann.

Das "Lignano Österreichs" seien die Skigebiete, in denen Gruppen aus Skandinavien und Holland das für sie günstige Preisniveau ausnützen. Auf eine Region oder einen Ort könne man das aber nicht festmachen. Im Sommer gebe es solche Vorfälle nicht. Bei den betroffenen Personen handelt es sich um eine Minderheit. Von jährlich 140 Millionen Nächtigungen schätzt Zellmann nur ein paar tausend - also einen verschwindend kleinen Anteil - als problematisch ein. Eines der probatesten Mittel gegen Gelage sei jenes, das die Italiener angewendet haben: die Übeltäter nach Hause zu schicken, Einreiseverbote zu verhängen und Exzesse via Medien öffentlich zu machen. Das schrecke ab.

Umgang mit Alkohol schulen

Dass junge Menschen im Urlaub über den Durst trinken, ist kein Zufall, so ein Experte des Instituts für Suchtdiagnostik: "Die Leute sind in einem Ausnahmezustand, wollen etwas außerhalb des Alltags erleben und experimentieren." Der Umgang mit Alkohol solle besser geschult werden, meist würde jungen Leuten das Problem erst bewusst, wenn ihnen der Führerschein abgenommen werde oder sie nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus aufwachten. Berichte über Alkoholvergiftungen hätten allerdings sehr wohl eine abschreckende Wirkung, so der Suchtgiftexperte.

"Die Gastronomie hat kein Problem mit Alkohol", sagt Mario Pulker, Fachverbandsobmann der Gastronomie. Laut Jugendschutzgesetz dürfen keine harten Getränke an Jugendliche ausgeschenkt werden, das werde auch eingehalten. Wer das nicht tut, verliert rasch die Gewerbeberechtigung. Ein Problem gebe es bei Zeltfesten, die nicht von Gastronomen, sondern von Vereinen organisiert werden und die sich oft nicht an die Gesetze hielten, so Pulker. Rückfragen beim Roten Kreuz, der Rettung und in Krankenhäusern würden zeigen, dass es häufig zu Einsätzen käme.

Europaweiter Trend

Erhebungen unter Jugendlichen haben laut Alfred Uhl, Forscher am Institut Gesundheit Österreich, ergeben, dass der Alkohol- und Tabakkonsum deutlich zurückgegangen ist. Dies sei ein europaweiter Trend. Über die Gründe könne man nur spekulieren, es sei derzeit "Mode". Ob es mit dem verstärkten Gesundheitsbewusstsein zu tun habe, könne man aber nicht mit Sicherheit sagen.

Derartige Exzesse würden man weniger aus Lignano, sondern vielmehr aus All-inklusive-Clubs in der Türkei oder von Volksfesten in Österreich kennen, sagt ein Vertreter eines Reiseveranstalters. Lignano sei jedenfalls keine typische Trink-Destination und tue alles, um gar nicht diesen Ruf zu bekommen. Die Zusammenarbeit zwischen österreichischer und italienischer Polizei finde nicht nur auf italienischem, sondern auch auf heimischem Boden statt, etwa beim Villacher Kirchtag, der am ersten Samstag im August und die Woche davor stattfinde. Hier werde die Kärntner Polizei von der italienischen unterstützt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Es gehe in der Regel weniger darum, zu strafen, sondern um eine Eskalation so weit wie möglich zu verhindern, so der Branchenkenner.