Wien/Berlin. (kle/dpa/reu) Rund um die Sanierung der schwer angeschlagenen Air Berlin tun sich seit Donnerstag neue Fragen auf. Der Großaktionär der deutschen Billigfluglinie, Etihad, hat die Gespräche über die Schaffung eines neuen Ferienfliegers mit dem Reisekonzern TUI überraschend abgebrochen. Die Fusion von dessen Airline-Tochter TUIfly mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki ist somit geplatzt.

Unterdessen spitzt sich die Lage bei Air Berlin zu. In ihrer Not sucht die deutsche Fluglinie dem Vernehmen nach Unterstützung in der Politik. Nach Informationen der deutschen Zeitung "Die Welt" hat Air Berlin bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt.

Seit Monaten ist Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft (nach Lufthansa) in einer schwierigen finanziellen und operativen Lage. Flüge fallen aus oder sind verspätet, die Klagen von Passagieren häufen sich. Air Berlin sitzt auf hohen Schulden und fliegt weiter Verluste ein. Wie weit der Großaktionär, die arabische Fluggesellschaft Etihad, die 29 Prozent der Anteile hält, noch willens ist, über die bisher gemachten Zusagen hinaus für die Probleme der deutschen Airline einzustehen, ist derzeit unklar.

Die Gespräche mit TUI über die seit Ende 2016 geplante Gründung eines gemeinsamen Ferienfliegers hat Etihad nun jedenfalls abgesagt. "Die TUI Group und die Etihad Aviation Group werden ihre Verhandlungen über das geplante Joint-Venture zwischen der deutschen Flugtochter TUIfly und Niki nicht fortführen", teilte TUI in einer Aussendung mit.

Etihad verfolgt neue Pläne

Air Berlin, Etihad und der TUI-Konzern hatten im Oktober 2016 Pläne für die neue Gesellschaft durch eine Verschmelzung der TUIfly mit Niki als wichtiges Element für die Sanierung der Air Berlin bekanntgegeben.

"Strategisch macht eine starke europäische Touristik-Airline weiter sehr viel Sinn, denn der Luftverkehr in Deutschland ist durch Überkapazitäten geprägt", betonte TUI-Vorstand Sebastian Ebel. "Niki steht aber nicht mehr für ein Joint-Venture zur Verfügung." Der Konzern werde daher die Neupositionierung der TUIfly weiter vorantreiben.

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben des TUI-Konzerns an die Mitarbeiter heißt es, Etihad habe offenbar mit Blick auf seine Investments in Europa neue Pläne verfolgt und neu bewertet, wie sich die Airline künftig in Deutschland und Europa aufstellen wolle. "Etihad strebt offenbar eine Perspektive für das Gesamtunternehmen Air Berlin/Niki an und will Niki nicht länger aus der Air Berlin herauslösen; das ist eine andere Grundlage als das, was Etihad und seine Gesellschafter im Dezember 2016 mit uns vereinbart haben", heißt es in dem Papier.

Lufthansa zu Einstieg bereit

Die AUA-Mutter Lufthansa wäre grundsätzlich bereit, bei Air Berlin einzusteigen - allerdings nur dann, wenn entscheidende Probleme vorher gelöst wären. Dazu zählen vor allem die hohen Schulden, die Frage der laufenden, zu hohen Kosten und auch kartellrechtliche Bedenken.