Die Steuerung des Eigenheims über das Smartphone ist für Hartlauer ein Zukunftsthema. - © Fotolia/TAlex
Die Steuerung des Eigenheims über das Smartphone ist für Hartlauer ein Zukunftsthema. - © Fotolia/TAlex

Wien. Wie schnelllebig der Einzelhandel geworden ist, zeigt das jüngste Beispiel aus dem Elektrohandel: Der Markt für digitale Kompaktkameras in der Preisklasse bis zu 200 Euro ist vergangenes Jahr zusammengebrochen. 30 Prozent Rückgang verzeichnete dieses Segment 2016, im Jahr davor lag das Minus bei zwölf Prozent. Schuld daran ist der Siegeszug der Smartphones, der die kleinen Kameras obsolet macht. Für die Handelskette Hartlauer wäre das früher eine mittlere Katastrophe gewesen, heute ist es nur eine Veränderung von vielen. Das Unternehmen ist längst breiter aufgestellt und treibt diese Entwicklung weiter voran.

"Hartlauer heute als Foto- und Elektrohändler zu bezeichnen, geht eigentlich völlig am Geschäftsmodell vorbei", sagt Unternehmenschef und Eigentümer Robert Hartlauer. Ein klassischer Elektrohändler, der Braun- und Weißware - also Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte - führt, sei Hartlauer schon seit Jahren nicht mehr. Neben Foto hat er auf die Standbeine Optik, Hörgeräte und Telekommunikation gesetzt. "Manchmal werden wir belächelt, dass wir nicht wissen, wofür wir stehen", sagt Hartlauer.

Betrachtet man aber die wirtschaftliche Entwicklung, so scheint es, dass er genau weiß, was er tut. Der Umsatz ist in den vergangenen Jahren konstant gestiegen, zuletzt von 252,3 Millionen Euro 2015 auf 260,6 Millionen Euro im Jahr 2016. Der Gewinn liegt stabil bei rund einem Prozent des Umsatzes. "Das ist vielleicht bescheiden, aber wir waren immer positiv", sagt Hartlauer.

Neues Standbein


Damit es in der Richtung weitergeht, hat er bereits das nächste Geschäftsfeld, dass vielleicht einmal ein weiteres Standbein werden kann, ins Auge gefasst: den Gesundheitsbereich. Im Wesentlichen geht es hier um Blutzuckermesser und Blutdruckmesser. Auch der Bereich Smart-Home - alles was sich zu Hause über das Smartphone steuern lässt, wie zum Beispiel das Licht - ist für Hartlauer ein Zukunftsmarkt.

Ein weiteres Zukunftsthema und gleichzeitig die größte Herausforderung ist für Hartlauer die Digitalisierung. "Das ist wichtig, wenn man in fünf oder zehn Jahren noch da sein will", so Hartlauer. Im Unternehmen müssten alle Prozesse und Daten miteinander verknüpft werden, eine Auswertung müsse heute in 20 Sekunden und nicht erst in zwei Tagen möglich sein. Viele Unternehmen arbeiten noch mit Lösungen der Marke Eigenbau. In vielen Fällen ist über den Lauf der Jahre ein Sammelsurium an selber erstellten Programmen, die notdürftig zusammengestöpselt worden sind, gewachsen, das modernen Ansprüchen nicht mehr entspricht. "Da muss man mit beiden Händen zupacken und Standardlösungen verwenden", sagt Hartlauer. Während selber gebaute Programme einem komplizierten Netzwerk ähneln, ist moderne Standardsoftware um einen Kern aufgebaut und lässt sich beliebig erweitern. Den Lagerstand müsse man heute minütlich abrufen können, um Kunden sofort sagen zu können, ob und wann ein Produkt lieferbar ist.