Wien. Online-Händler zittern jetzt schon vor dem Weihnachtsgeschäft, denn heuer könnte es erstmals zu einer unerwünschten Premiere kommen nämlich, dass die Logistikdienstleister mit dem Zustellen der Pakete nicht mehr nachkommen. "Das Paketvolumen ist in den vergangenen Jahren explodiert", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Laut Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Kreutzer, Fischer und Partner wurden vergangenes Jahr 93 Millionen Pakete an Privatkunden ausgeliefert, um 35 Prozent mehr als 2015. Diese Dynamik werde auch heuer nicht abnehmen, weshalb laut Will jetzt schon einige Handelsunternehmen mit Engpässen im Weihnachtsgeschäft rechnen. "Die Logistik ist hier gefordert, nachzuziehen", sagt Will.

Diesen Boom im Online-Handel untermauert eine aktuelle Studie der KMU Forschung Austria. Die Ausgaben österreichischer Konsumenten im Distanzhandel sind im Untersuchungszeitraum Mai 2016 bis April 2017 gegenüber den zwölf Monaten davor um vier Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gestiegen. Das sind elf Prozent der Ausgaben des gesamten Einzelhandels. Zum Distanzhandel zählt auch der klassische Versandhandel, bei dem postalisch, per Telefon oder Fax bestellt wird. Auf diesen entfällt nur ein Prozentpunkt jener elf Prozent, die restlichen zehn Prozentpunkte entfallen auf den Online-Handel.

Smartphone ist die Zukunft


Zwei Drittel aller Österreicher über 15 Jahre kaufen laut Studie im Internet ein. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Allerdings wird um größere Beträge und in immer mehr Warengruppen online eingekauft. Bekleidung, Bücher und Elektrogeräte sind Branchen, in denen der Online-Handel traditionell einen hohen Anteil hat. Die größten Wachstumsraten erzielten im Untersuchungszeitraum jedoch Kosmetika, Schuhe und Möbel, sagt Ernst Gittenberger, Projektleiter bei der KMU Forschung Austria. Das Smartphone hat im Online-Handel seinen Siegeszug fortgesetzt. Zwar erfolgen derzeit erst sieben Prozent der Onlineausgaben über das Smartphone, jedoch haben diese in den vergangenen zwölf Monaten um 25 Prozent auf 530 Millionen Euro zugelegt. "Das Smartphone-Shopping boomt in fast allen Warengruppen", sagt Gittenberger.

Ein Problem für Online-Händler bleiben die Retouren. Diese liegen konstant bei 40 Prozent. Außerdem wird beklagt, dass 50 Prozent der Online-Umsätze an ausländische Anbieter abfließen. Kopfzerbrechen bereitet den Online-Händlern auch die Geoblocking-Initiative der EU, sagt Martin Sonntag, Bundesgremialobmann des Versand-, Internet- und allgemeinen Handels in der WKÖ. Händler könnten dann nicht mehr selber entscheiden, in welche Länder sie liefern. Für viele wäre der bürokratische Aufwand jedoch zu groß, vor allem kleine Händler könnten auf der Strecke bleiben.