München. Siemens-Chef Joe Kaeser lässt sich zu den Spekulationen um eine Zug-Allianz in Europa weiter nicht näher in die Karten schauen. "Dass man bei den Schienenfahrzeugen überlegen muss, wie man mit der Wettbewerbssituation umgeht, ist klar", sagte Kaeser mit Blick auf die harte Konkurrenz aus China, wo sich die beiden größten Bahntechnik-Anbieter zum Branchenriesen CRRC zusammengeschlossen hatten.

"Das Thema ist virulent." Man habe aber keine Hektik - "und die anderen auch nicht", sagte Kaeser. Eine Möglichkeit sei auch, bei größeren Aufträgen zusammenzuarbeiten. Auf die Frage, ob auch eine Kooperation in Konsortien vorstellbar sei, antwortete Kaeser: "So kann man auch zusammenarbeiten. Man muss nicht immer ein Riesen-M&A-Thema draus machen."

So kooperiert Siemens bereits mit dem kanadischen Bahntechnik- und Flugzeughersteller Bombardier bei verschiedenen Projekten, so beim ICE 4, der neuesten Generation des deutschen Hochgeschwindigkeitszuges. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, Siemens und Bombardier sprächen über zwei Gemeinschaftsunternehmen. Siemens baut auch Schienenfahrzeuge in Wien und Graz.

Partnerschaft mit FC Bayern

Mit dem Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, stellte Kaeser am Montag eine neue Partnerschaft vor. Gemeinsam wolle man an zukunftsgerichteten Lösungen, Technologien und digitalen Produkten arbeiten. Siemens verspricht sich vor allem dank des Fußball-Booms in China, im Mittleren Osten und in den USA über die Zusammenarbeit mehr Präsenz bei den Kunden. So hatte der FC Bayern kürzlich ein Büro in Shanghai eröffnet - mit großem Zulauf, wie Kaeser sagte.

Hoeneß zeigte sich auch offen für eine weitergehende Partnerschaft. Neben den Anteilseignern Allianz, Audi und Adidas gebe es "noch Platz", und Siemens wäre dafür ein geeigneter Kandidat. Kaeser erklärte aber, man wolle erst einmal sehen, wie sich die nun verkündete Partnerschaft entwickle, und nicht schon einen nächsten Schritt angehen. Siemens sei ein auf Geschäftskunden spezialisiertes Unternehmen, daher sei ein klassisches Sponsoring, etwa über Trikot-Werbung, für das Unternehmen keine Option.

Spekulationen über Zusammenlegung

Finanzkreisen zufolge sprechen Siemens und Bombardier seit Monaten über eine Zusammenlegung ihrer Bahnsparten. Dies gilt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen als schwierig; zudem ringen die beiden Konzerne Insidern zufolge um die Macht: Keine Seite wolle die Kontrolle abgeben. Zuletzt wurde in Medienberichten über zwei Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Bombardier spekuliert. Für die Zusammenlegung der Sparten der Münchner und der Kanadier hatte es in der Vergangenheit mehrere Anläufe gegeben. Siemens hatte auch bereits erfolglos versucht, sein Bahngeschäft mit der französischen Alstom zusammenzulegen. Die westlichen Anbieter von Eisenbahntechnik leiden unter zunehmendem Konkurrenzdruck aus China.