• vom 10.07.2017, 19:30 Uhr

Österreich

Update: 11.07.2017, 16:48 Uhr

Konsolidierung

Druck auf kleine Möbelhändler steigt




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Von Thomas Pressberger

  • Große Handelshäuser sind im Umbau, kleine leiden unter Preisverfall und Rabattschlachten.

Große Möbelhändler lösen mit ihren Niedrigpreisen eine Konsolidierungswelle aus.

Große Möbelhändler lösen mit ihren Niedrigpreisen eine Konsolidierungswelle aus.© fotolia/Pavel Losevsky Große Möbelhändler lösen mit ihren Niedrigpreisen eine Konsolidierungswelle aus.© fotolia/Pavel Losevsky

Wien. Dem Möbelhandel geht es in Österreich in Summe gut, bei den einzelnen Unternehmen ist die Lage aber durchwegs verschieden. "Die Verbraucherausgaben der privaten Haushalte im Möbelhandel sind in den vergangenen Jahren leicht aber kontinuierlich gestiegen", sagt Hania Bomba, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Regioplan. Während das Kernsortiment stagniert, findet das Wachstum in den Bereichen Dekoration, Garten, Beleuchtung und Saisonwaren statt. Der Online-Handel hat mit neun Prozent noch einen relativ geringen Anteil am Umsatz, in anderen Branchen liegt dieser bereits bei 35 Prozent.

Bei den großen Handelshäusern spiegelt sich der Status quo der Branche in den meisten Fällen nicht wieder. Sieht man sich die aktuellen Jahresabschlüsse der Steinhoff-Töchter Kika und Leiner an, so sind deren Nettoumsätze 2015/16 um 5,7 Prozent auf 444,8 Millionen Euro beziehungsweise um 7,3 Prozent auf 362,9 Millionen Euro gesunken. Kika schrieb nur aufgrund eines Sondereffekts ein Plus von 14 Millionen Euro, ohne diesen wäre das Unternehmen mit rund fünf Millionen im Minus gelegen. Leiner weist einen Jahresfehlbetrag von 1,7 Millionen Euro aus.


Wer meint, die Südafrikaner bekommen die Probleme bei Kika/Leiner nicht in den Griff, irrt. "Die sind in einem Umstrukturierungsprozess, haben Marken zusammengelegt und wieder auseinanderdividiert." So ein Prozess koste Umsatz, doch immerhin würde man Neues versuchen. "Das ist nicht so, dass sie den Bach runtergehen", sagt Bomba.

Sie ortet eher beim Branchenprimus, der Lutz-Gruppe, Turbulenzen. "Der Umsatz stagniert, der Vorsprung konnte nicht ausgebaut werden", sagt Bomba. Die Gruppe setzt rund vier Milliarden Euro um. Hier könnte es in Bälde ebenfalls zu Umstrukturierungen kommen, der Sohn des ehemaligen Geschäftsführers Richard Seifert, Michael, ist erst vergangenes Jahr in die Geschäftsführung eingetreten. Blendend laufe es dagegen bei Ikea, sagt Bomba. Gewinn und Umsatz seien in Österreich auf gleicher Fläche gestiegen, letzterer 2015/16 um 7,3 Prozent auf 673,7 Millionen Euro. "Ikea hat ein gutes Markenimage und spricht gut seine Zielgruppe, die Jüngeren, an", sagt Bomba.

Unter dem Wert geschlagen
Kleinere Anbieter im Möbelhandel wiederum leiden unter den fallenden Preisen und den extremen Rabattschlachten, die von den großen Handelsketten ausgelöst werden, sagt Hubert Kastinger, Obmann des Einrichtungsfachhandels. "Dadurch entsteht der Eindruck, dass wir so hohe Margen haben, was aber nicht stimmt. Unsere Leistung wird unter Wert geschlagen", sagt Kastinger. Viele kleine Unternehmen würden in den kommenden Jahren massiv unter Druck kommen. Bisher habe es noch keine Konsolidierung gegeben, die Zahl der Unternehmen sei in den vergangenen Jahren fast gleich geblieben. "Sie wird aber kommen", sagt Kastinger.

Starker Druck käme auch durch den ausländischen Online-Handel, vor allem bei Elektrogeräten, die immer häufiger im Einrichtungshandel verkauft werden. Der Wunsch des Kunden sei zwar, beim Fachhändler zu kaufen, doch gebe der Kunde oft den Preis vor - nämlich jenen günstigeren, den er zuvor im Internet gefunden habe. Auch der Beratungsdiebstahl belastet den Fachhandel. Wenn sich Kunden beim Experten ein Wohnzimmer oder eine Küche planen ließen, würden Händler die Pläne nicht aus der Hand geben. Zu groß sei die Gefahr, dass diese dann nicht bei ihnen umgesetzt würden.

Rückkehr zum Fachhändler
Doch es gibt auch Hoffnung für kleine Betriebe. "Wer sich gut positioniert, Markenware hat, kompetent ist und Service bietet, kann immer noch gut überleben", sagt Kastinger. Viele würden von der Großfläche in den Fachhandel zurückkehren. "Wer viel Geld ausgeben will, ist im Fachhandel oft günstiger unterwegs", so Kastinger.

Der Möbelhandel setzte in Österreich 2016 4,45 Milliarden Euro um, heuer sollen es 4,5 Milliarden sein. Größter Anbieter ist die Lutz-Gruppe vor Kika/Leiner, Ikea und Garant Möbel.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-07-11 16:27:06
Letzte Änderung am 2017-07-11 16:48:05


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