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Wien. Die Diskussion um mögliche Fahrverbote von Dieselfahrzeugen in deutschen Städten macht nicht nur Händler, sondern auch Leasinggesellschaften nervös. Fallende Preise für Neu- und Gebrauchtwagen könnten beide in die Bredouille bringen. "Bei Neuverkäufen gab es im vergangenen Monat einen leichten Rückgang, ob sich das fortsetzt, wissen wir noch nicht", sagt Josef Schirak, Sprecher des Fahrzeugeinzelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich. Man sei derzeit damit beschäftigt dagegen anzutreten, die "Geldvernichtung" durch die Diesel-Diskussion aufzuzeigen und als sinnlos darzustellen. "Wir versuchen, die Politik zu überzeugen, hier nicht Volksvermögen zu vernichten", sagt Schirak. Viele Händler hätten die Befürchtung, dass Diesel-Fahrzeuge dadurch eine Entwertung erfahren und auch der Wiederverkaufspreis unter Druck gerät.

Diesel zu verteufeln sei nicht sinnvoll, da in Österreich 2,75 Millionen Diesel-Pkw auf der Straße seien. Auch wenn ab sofort nur noch E-Autos verkauft würden, würde es zehn Jahre dauern, bis die Selbstzünder verschwunden wären. An der Technologie gebe es kein Vorbeikommen, weil man nur auf Benzin umsteigen könne. E-Autos und Hybridwagen lägen derzeit erst bei einem beziehungsweise 2,5 Prozent Marktanteil, den könne man nicht rasch in die Höhe fahren. Für E-Autos fehle noch die Infrastruktur, Folgekosten wie Akku-Entsorgung seien auch noch nicht geklärt.

Großer Wettbewerb


Auch Leasinggesellschaften könnten unter Druck geraten, wenn sie Fixpreise vereinbart hätten und der Marktwert gesunken sei. Die meisten hätten jedoch Klauseln in den Verträgen, die sie bei massiven und unvorhersehbaren Veränderungen am Markt vor Nachforderungen bewahren. Dennoch müsse jeder einzelne Fall geprüft werden. Die Autohändler selber seien von der Problematik nicht betroffen, weil sie Leasingverträge über ihre Hersteller oder Freileasinggesellschaften anbieten würden. Viel Potenzial nach unten gibt es bei Leasingverträgen und deren Raten nicht, da ein starker Wettbewerb in der Branche stattfinde und sich die Leasinggesellschaften unterbieten würden. "Im Moment gibt’s hier keine Änderungen", sagt Schirak.

Die Eurotax-Eintauschwerte seien leicht gefallen, aber erst der Herbst werde zeigen, wie weit das "Diesel-Bashing" Schaden hinterlassen hat. Ab September laufe das Autogeschäft wieder richtig an, da kämen die neuen Modelle. "Bisher sind nur die ganz Vorsichtigen von Diesel auf Benzin umgestiegen", sagt Schirak. In Österreich sei der Dieselanteil mit 50 Prozent deutlich höher als in anderen Ländern, wie Deutschland mit 30 Prozent. "Das liegt daran, dass die VW-Porsche-Gruppe in Österreich stark ist und dass die Politik vor Jahren zum Umstieg auf Diesel ermuntert hat", sagt Schirak. Dass von der Politik nun gegenteilige Signale kämen, sei absurd, eigentlich müssten sich Betroffene am Staat schadlos halten können.