Wien/Schwechat. Unverheiratet, kinderlos, 21 Jahre alt und höchstens 63 Kilo schwer mussten die Hostessen sein, die Anfang 1958, gleich nach der Gründung der Austrian Airlines anheuerten. Und kaltblütig, wenn es um die Rettung von Menschenleben an Bord ging: Mittels Kugelschreiber sollten sie einen Luftröhrenschnitt setzen können oder bei einem epileptischen Anfall die Zunge mit einer Sicherheitsnadel fixieren.

Mit 35 Jahren war damals Schluss mit der Bord-Karriere von Flugbegleiterinnen bei der nationalen österreichischen Airline. Das hat sich alles geändert. Die Austrian Airlines ist 60. Der Erstflug, nach London, fand am 31. März 1958 statt.

In kleinen Festakten und in einem Jubiläumsbuch wird der schwierigen Gründung am 30. September 1957 gedacht. Der Autor Peter Baumgartner hat vor seiner Karriere bei der Airline (Leiter Cabin Services, Marketing, Product Management) über die AUA-Geschichte dissertiert. Es war eine schwierige Geburt. Österreich hatte nach dem Krieg erst mit dem Staatsvertrag 1955 von den alliierten Streitkräften seine Lufthoheit zurück erhalten.

Bis zur endgültigen Gründung der Fluglinie im Herbst 1957 verstrich viel Zeit in politischen Streitigkeiten, die groteskerweise vor Weihnachten 1955 sogar zur Gründung von zwei Fluggesellschaften (Air Austria, Austrian Airways) geführt hatten - streng nach rot-schwarzer Glaubenslehre und Aktionärsstruktur. Einer der Proponenten der "Air Austria" war übrigens Hans Lauda, Industriellen-Präsident und Großvater von Niki Lauda.

Parteien-Proporz und Geldmangel

Als es dann ernst wurde mit der Gründung der "Austrian Airlines", indem die beiden Vorläufergesellschaften zur "Österreichischen Luftverkehrs AG" vereinigt wurden, war die heutige Bank Austria (via staatlicher Creditanstalt und Länderbank) unter den Mitbegründern und Geldgebern. Im Großen CA-Sitzungssaal in der Wiener Schottengasse wurde der Gründungsakt begangen. Als "böse Mitgift" beschreibt Baumgartner die extreme Verpolitisierung der AUA durch den Parteien-Proporz vom Beginn an.

Auch Geldmangel herrschte bei der AUA von Beginn an. Schon der erste Aufsichtsrat nach der Gründungsversammlung brütete über der viel zu dünnen Kapitaldecke. Damals schon verließen sich alle auf Vater Staat. Ende 1958, nur neun Monate nach Aufnahme des Flugbetriebs, hatte der Verlust das Grundkapital aufgefressen. Überbrückungskredite mussten her, und eine ordentliche Bundeshaftung. Der Steuerzahler wurde in der Folge jahrzehntelang zur Defizitabdeckung zur Kassa gebeten.

Katastrophe von Moskau

Der 1963 gestartete Inlandsflugbetrieb blieb ebenso Verlustbringer wie der 1969 gestartete Langstreckenverkehr. Die Katastrophe von Moskau, der Absturz einer AUA-Maschine beim Landeanflug auf den russischen Airport am 26. September 1960, kostete 25 Passagiere und 5 Crewmitglieder das Leben. Es blieb der einzige Unfall mit tödlichem Ausgang in der AUA-Geschichte.

1965 schon waren die Verluste so hoch, dass die AUA-Chefs den Finanzminister über die akute Pleitegefahr informieren mussten. 1970 gab es, nachdem Sparmaßnahmen durchgezogen worden waren, einen ersten Gewinn. Das ermutigte zu Investitionen in Flotte und Hangars. Die AUA wuchs. Bis 1989 meldete die Gesellschaft steigende Ergebnisse. Leere Staatskassen bewogen die Politik 1987, die Teilprivatisierung anzugehen. Zu der Zeit wurde zudem das Feindbild mit dem Ex-Rennfahrer Niki Lauda aufgebaut, der mit seiner eigenen Airline gegen die AUA anflog. Diese Zores legten sich auch nach der Lauda-Übernahme 1997 nicht.

Notverkauf an die Deutschen

In den 1990er Jahren ging es an die Konsolidierung am heimischen Markt, den Zusammenschluss von AUA, Tyrolean, Rheintalflug und Lauda Air. Kerosinpreise und Billigflieger setzten der AUA heftig zu. Das 50-Jahr-Jubiläum war schon kein Grund mehr zum Feiern; 2008 brach die Finanzkrise voll aus. Familiensilber wurde von der Airline selbst abgestoßen. Kurzfristig entschied sich der Bund zur Privatisierung, die AUA musste entschuldet werden, die Lufthansa übernahm. Es war ein Notverkauf an die Deutschen, mit dem 2009 die Privatisierung der AUA abgeschlossen wurde. Auch mit der Börsennotierung ging es zu Ende. Eine harte Sanierung begann. Ein drastisches Sparprogramm 2012 kostete 2.000 Jobs.

Viele hatten der AUA keine große Überlebenschance eingeräumt. Dass trotzdem alles gut ging und die AUA jetzt wieder schwarze Zahlen schreibt, nannte der heutige AUA-Chef Kay Kratky Mittwochabend ein "kleines Wirtschaftswunder". Die Mitarbeiter hätten viel durchgemacht. Auch während der Restrukturierung nach der Privatisierung habe "der Kuckuck nicht nur an die Tür geklopft, der ist schon durch die Firmenzentrale in Wien geflogen." Ohne die schmerzhaften Schritte - darunter den Betriebsübergang auf Tyrolean - gäbe es die AUA nicht mehr. Ein solcher Turnaround sei keine Selbstverständlichkeit. Nicht einmal die Russland/Ukraine-Krise und die Nahost-Probleme haben die vor vier Jahren begonnene Gewinnserie beendet. Für heuer werden neue Rekord-Passagierzahlen erwartet. Auch der Donauwalzer als Bordmusik darf bleiben.