Wien. Die AUA, seit 2009 eine Tochter der Deutschen Lufthansa, wird heuer das fünfte Jahr in Folge schwarze Zahlen schreiben und erstmals seit ihrer Gründung vor 60 Jahren mehr als zwölf Millionen Passagiere befördern. Weiteres Wachstum ist zu erwarten. "2018 bekommen wir unser zwölftes Langstreckenflugzeug", sagte AUA-Chef Kay Kratky am Mittwochabend bei der Präsentation eines vom ehemaligen AUA-Manager Peter Baumgartner verfassten Buches zur Geschichte der Airline.

Die AUA befinde sich im Steigflug, so Kratky. Das war nicht immer so. Der Topmanager rief den harten Sanierungskurs der Jahre 2009 bis 2012 in Erinnerung. Ein wesentlicher Punkt war dabei der Übergang des Flugbetriebs auf die Regionalflugtochter Tyrolean mit ihren um ein Viertel günstigeren Kollektivverträgen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte beim Abschluss der AUA-Übernahme Anfang September 2009 klargestellt: "Wir wollen rote Uniformen, aber keine roten Zahlen." Das Bezahlschema bei der AUA beschäftigte die Gerichte noch eine Zeit lang, bis schließlich im Oktober 2014 ein neuer Kollektivvertrag für das fliegende Personal abgeschlossen wurde.

Das Unternehmen müsse trotz aller Erfolge in den vergangenen Jahren die Kostenstruktur weiterhin im Auge behalten, betonte Kratky bei der Buchpräsentation in der ehemaligen Creditanstalt (CA) in der Wiener Schottengasse, jetzt Bank Austria, wo die AUA am 30. September 1957 gegründet wurde. Ab 2019 müsse die Langstreckenflotte erneuert werden, was bis zu 2,4 Milliarden Euro kosten könnte, warf Kratky einen Blick in die Zukunft der AUA.

"Damals hießen sie noch Stewardessen"


Über die Vergangenheit der ehemals staatlichen Fluggesellschaft weiß Peter Baumgartner bestens Bescheid. Die Flugbegleiterinnen - "damals hießen sie noch Stewardessen" - mussten unter 35 Jahre alt, ledig und kinderlos sein, erzählt er. An Bord wurden Schinkenröllchen und russische Eier serviert. Doch bevor es soweit war, musste das von den Alliierten Streitkräften besetzte Österreich erst die Lufthoheit zurückbekommen, was 1955 mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages geschah. Der massive Einfluss der politischen Parteien führte kurioserweise vorerst zur Gründung zweier Fluggesellschaften, der Air Austria (ÖVP) und der Austrian Airways (SPÖ), die allerdings nie vom Boden abhoben. Erst nach einem Luftverkehrsabkommen zwischen den Parteien konnte die Austrian Airlines aus der Taufe gehoben werden.

Neun Monate nach Aufnahme des Flugbetriebs befand sich die Airline bereits in ihrer ersten Finanzkrise. Nach langjährigen Anlaufverlusten wurden in den 1970er Jahren erstmals Gewinne geschrieben. SPÖ und ÖVP entschlossen sich 1987 zur Teilprivatisierung durch den Verkauf von zunächst 25 Prozent des Aktienkapitals über die Wiener Börse. Bei der Veräußerung der AUA an die Lufthansa 2008 waren noch rund 42 Prozent in Staatsbesitz. Nach Abfindung der verbliebenen Aktionäre über einen Squeeze-out wurde die AUA-Aktie am 4. Februar 2010 von der Börse verabschiedet.