Wien. (ede) Produkte für Webshops beschreiben, kurze Texte übersetzen, Korrekturlesen: Damit lässt es sich bequem von zuhause aus Geld verdienen, ein Computer und Internet reichen. Leben kann man davon aber in den allermeisten Fällen nicht.

Die zunehmende Digitalisierung hat das Phänomen des Crowdworking oder der plattformbasierten Arbeit hervorgebracht. Menschen, die für Onlineplattformen wie Upwork, Clickworker oder MyHammer etc. arbeiten, tun dies aber in den wenigsten Fällen, weil es ihr Traumjob ist, sagt Ursula Huws, Ökonomin an der Universität Hertfordshire. Meist kombinieren Crowdworker mehrere Jobs miteinander und generieren damit ein "Patchwork"-Einkommen, sagte Huws am Freitag bei einer Pressekonferenz vor der 10. Sozialstaatsenquete im Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Wien. Aus Umfragen weiß sie, dass von den für Online-Plattformen arbeitenden Österreichern nur 2 Prozent mehr als die Hälfte ihres Einkommens derart erzielen.

Verschwimmende Grenzen


Wie viele Crowdworker es hierzulande gibt, weiß man im Hauptverband nicht. Etwa 100.000 unselbständig Beschäftigte seien aber gleichzeitig in anderer Form tätig, so Hauptverbandsvorsitzender Alexander Biach. Das könne ein Anzeichen dafür sein, dass sie auch digital arbeiten.

Durch neue Kommunikationstechnologien werden immer mehr traditionelle Aufgaben aus Unternehmen ausgelagert oder überhaupt durch Scheinselbständigkeit und Plattformarbeit ersetzt, gab Maximilian Kasy von der Universität Harvard zu bedenken. Dadurch steige die ökonomische Ungleichheit in den industrialisierten Ländern. Kasy: "Die Jobs in der Mitte der Einkommensverteilung verschwinden."

Die Grenzen zwischen selbständiger und unselbständiger Arbeit verschwimmen, das erfordere von den politisch Verantwortlichen Antworten auf viele Fragen, etwa wie man soziale Ausbeutung hinanhalten könne, betonte Sozialminister Alois Stöger. Mit einer Crowdworking-Richtlinie könnte Österreich eine Vorreiterrolle spielen. Die Wirtschaftskammer hat schon vor einiger Zeit abgewunken. Man sehe keinen dringenden Handlungsbedarf in Österreich, so Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik. Crowdworking sei kein Massenphänomen.