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Wien. In der Finanzwelt sind heute, Mittwoch, wohl viele Blicke auf den Wiener Aktienmarkt gerichtet. Grund ist das Börsendebüt der Bawag, deren Aktien erstmals gehandelt werden. Mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro war der Börsengang des Wiener Geldinstituts der bisher größte in Österreich. Die knapp zweiwöchige Zeichnungsfrist für die insgesamt 40,25 Millionen Stammaktien aus Beständen der Bawag-Alteigentümer rund um den US-amerikanischen Fonds Cerberus endete am Dienstag.

Der finale Ausgabepreis für die Bawag-Aktie wurde mit 48 Euro festgelegt. Ursprünglich waren die Bawag-Papiere im Preisband von je 47 bis 52 Euro angeboten worden. In Summe bringt die viertgrößte heimische Bank einen Börsenwert von knapp fünf Milliarden Euro auf die Waage. Vor allem schon deshalb, aber auch wegen des relativ hohen Streubesitzanteils von 39,9 Prozent gilt die Bawag als heiße Anwärterin für eine baldige Aufnahme in den ATX, den 20 Titel umfassenden Aktienleitindex der Wiener Börse.

ATX bald noch bankenlastiger


Ist die Bawag dort gelistet, vergrößert sich freilich die Finanzlastigkeit des ATX. Schon bisher dominieren Bank- und Versicherungswerte - allen voran Erste Group, gefolgt von Raiffeisen Bank International, Uniqa und Vienna Insurance Group - Wiens wichtigsten Börsenindex. Auf die vier Finanztitel zusammen entfällt derzeit eine Gewichtung von knapp 33 Prozent, also fast einem Drittel. Insbesondere bei Erste (19,99 Prozent) und Raiffeisen (8,91 Prozent) genügen schon kleinere Kursbewegungen, um den ATX vergleichsweise umso stärker hinauf oder hinunter zu ziehen. Während der Finanz- und Staatsschuldenkrise etwa war die starke Bankenlastigkeit des ATX alles andere als ein Vorteil für den Index.

Nichtsdestotrotz herrscht in der Wiener Börse AG mit Blick auf den Neuzugang Bawag Jubelstimmung. Auf der "Gewinn"-Messe in Wien, dem alljährlichen Event für Anleger, sprach Börsenchef Christoph Boschan kürzlich von einer "tollen Sache". Die Bawag werde den ATX-Markt bereichern.

Vor allem aber hofft der Manager, dass der Börsengang der Bawag eine gewisse Sogwirkung für andere Börsenkandidaten hat. Diese Hoffnung äußert auch Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes für Anleger: "Anderen Unternehmen könnte das jetzt Mut machen." Denn seit Jahren steckt der Wiener Aktienmarkt, obwohl der ATX mit seiner heurigen Performance von plus 29 Prozent andere westeuropäische Aktienindizes in den Schatten stellt, in einem Dilemma. Der Grund: Neuzugänge hat er kaum, dafür umso mehr Abgänge. Die Liste der Unternehmen, die in Wien noch börsennotiert sind, ist zuletzt jedenfalls immer kürzer geworden.

IPO-Markt jahrelang tot


Boschan und Rasinger begrüßen es deshalb, dass die Wiener Börse mit der Bawag quasi frisches Blut bekommt. Deren Börsengang (IPO) war immerhin der erste nennenswerte seit mehr als drei Jahren. 2014 hatte es den Flugzeugzulieferer FACC an die Börse gezogen, im selben Jahr war auch die Buwog von dem Immobilienkonzern Immofinanz abgespalten und an die Börse gebracht worden. Seither, aber auch davor - in der Zeit nach der globalen Finanzkrise - war Österreichs IPO-Markt de facto tot. Um ihn nun weiter zu beleben, schlägt Rasinger die Schaffung eines eigenen Börsenhandelssegments für Klein- und Mittelbetriebe vor. Dieses sollte weniger streng reguliert sein, zudem sollte dort nur einmal pro Woche oder Monat gehandelt werden.