Wien. Bei der nun börsennotierten Bawag herrschen im Vergleich zu anderen hiesigen Großbanken geradezu paradiesische Zustände, was die Höhe der Vorstandsgagen betrifft. Wie dem mehr als 800 Seiten starken Börsenprospekt zu entnehmen ist, haben die Bawag-Vorstände im vergangenen Jahr in Summe 17,5 Millionen Euro kassiert (nicht aufgeschlüsselt ist dabei, wer wie viel verdient hat). Für heuer winken den sechs Bankvorständen insgesamt sogar 25,8 Millionen Euro. Wobei dieser Betrag einen Bonus in Höhe von 5,4 Millionen Euro inkludiert, der dem Prospekt zufolge schon im März ausgeschüttet wurde.

Obwohl die Bawag mit knapp 40 Milliarden Euro Bilanzsumme nur die viertgrößte Bank in Österreich ist, zahlt sie ihren Vorständen die mit Abstand höchsten Gagen der heimischen Branche. Bescheiden sind die Gesamtbezüge der jeweils sechs Vorstände der beiden weit größeren, ebenfalls börsennotierten Finanzhäuser Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI) zwar auch nicht. Im Vergleich zur Bawag sind sie allerdings deutlich niedriger.

Börsendebüt enttäuschend

Verdienten die Vorstände der "Ersten" 2016 in Summe 7,78 Millionen Euro (wobei 2,98 Millionen allein auf Bankchef Andreas Treichl entfielen), waren es bei den Vorständen der RBI insgesamt 7,14 Millionen Euro, wie aus den jeweiligen Bilanzberichten hervorgeht. Für die Gagen im laufenden Jahr sind bei beiden Instituten keine Indikationen verfügbar. Mit einem ähnlich kräftigen Anstieg wie bei der Bawag ist aber wohl nicht zu rechnen.

Enttäuschend verlief unterdessen deren Börsendebüt am Mittwoch in Wien. Ausgegeben zu einem Stückpreis von 48 Euro, fiel die Bawag-Aktie an ihrem ersten Handelstag bei hohen Geldumsätzen (592,3 Millionen Euro/Doppelzählung) um bis zu 4,3 Prozent. Ihr Tagestief markierte sie bei 45,94 Euro. Der Schlusskurs lag dann mit 46,50 Euro etwas höher, aber um 3,1 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, sprach zwar nicht von einem Flop, aber von einem "sehr vorsichtigen Start". Zur Begründung verwies der Wiener Aktienexperte auf die "ambitionierten Preisvorstellungen" der Alteigentümer rund um den US-Fonds Cerberus. Rasinger deutete damit an, dass die Aktie beim Börsengang zu teuer verkauft worden sei. Die Bawag-Papiere waren in der Spanne von je 47 bis 52 Euro angeboten worden.

Wie der IVA-Chef weiter erklärte, habe das Bankmanagement in der Vergangenheit zwar "hervorragende Arbeit" geleistet, jetzt stehe es aber "unter extremem Erfolgsdruck". Die Bawag müsse nun beweisen, dass sie ihr hohes Ertragsniveau auch in Zukunft halten könne. Dies würde dann auch ihr relativ hohes Kursniveau an der Börse rechtfertigen, meint Rasinger. Als "positiv" wertet er es freilich, dass der Sprung aufs Parkett geschafft wurde.

Bawag ersetzt RHI im ATX

Mit einem Volumen von 1,93 Milliarden Euro war der Bawag-Börsengang der bisher größte in Österreich. Zuvor - zehn Jahre lang - hatte der Bauriese Strabag (1,33 Milliarden) diesen Rang inne.

Wie die Wiener Börse mitteilte, wird die Bawag schon heute, Freitag, in den Leitindex ATX aufgenommen. Mit gut vier Prozent Gewichtung wird sie dort zu den Schwergewichten zählen. Im ATX, der 20 Aktientitel umfasst, ersetzt die Bawag den Feuerfesthersteller RHI, der nach der Fusion mit der brasilianischen Magnesita an der Londoner Börse notieren wird.