Wien/Hamilton. Im BAWAG-Skandal ist in den 1990er-Jahren mehr als eine Milliarde Euro verspekuliert worden, verantwortet unter anderem von Wolfgang Flöttl. Die nun aufgetauchten Paradise Papers bergen womöglich interessante Spuren. Der frühere Bankchef Helmut Elsner unterstellt dem damaligen BAWAG-Banker ja, das Geld "gestohlen" zu haben, was Flöttl freilich bestreitet. Der Elsner-Anwalt sieht nun neue Munition.

Flöttl sprach stets von einem "Totalverlust". Flöttl wollte bisher immer mit seinen BAWAG-Investments 1998 in die private Pleite geschlittert sein. Den "Totalverlust" hielten Gutachter, Nationalbankprüfer und Beobachter des BAWAG-Prozesses, der Elsner, nicht aber Flöttl ins Gefängnis brachte, allerdings für unwahrscheinlich. Wo das Geld geblieben ist, wurde vom Gericht nicht geklärt und ist bis jedenfalls heute offen.


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BBC: "Tax heaven secrets of ultra rich exposed"
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Umleitung des Vermögens

"Ein Diebstahl kann's nicht gewesen sein. Dazu gehört strafrechtlich 'was Anderes. Es kann einfach eine Umleitung des Vermögens der BAWAG gewesen sein", sagte heute Fritz Kleiner, der im BAWAG-Prozess Gutachter war, dem ORF. Der Österreichische Rundfunk gehört wie die Wiener Stadtzeitung "Falter" zum Recherchenetzwerk ICIJ, wodurch sie Zugang zu den 1,4 Terabyte Daten der Paradise Papers haben.

Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner hat sich zu den jüngsten Enthüllungen über bisher unbekannte Firmen des Investors Wolfgang Flöttl in der Karibik geäußert. "Das überrascht mich nicht", sagte Elsner Montagvormittag zur APA. Elsner behauptet seit Jahren, Flöttl habe die verlorenen BAWAG-Millionen nicht verspekuliert sondern gestohlen. Der Beschuldigte weist alle Vorwürfe zurück.

Nun sehe er in den neuen Fakten Beweise für seinen Standpunkt, so der heute 82-Jährige Elsner.

Elsner wiederholte im APA-Gespräch auch seine Vorwürfe gegen die österreichische Justiz und gegen seinen früheren Arbeitgeber. "Das hätte schon längst erhoben gehört von der Staatsanwaltschaft, und auch die BAWAG macht nichts", kritisiert der Ex-Banker. "Das ist alles höchst verwunderlich".

Elsner war im BAWAG-Prozess wegen Untreue zur Höchststrafe von zehn Jahren Haft verurteilt worden. Elsner verbrachte unter Anrechnung der U-Haft insgesamt viereinhalb Jahre im Gefängnis, ehe er im Juli 2011 aufgrund einer schweren Erkrankung als haftunfähig eingestuft und entlassen wurde. Flöttl hatte keinen einzigen Tag hinter Gittern verbracht, er wurde bei der Wiederholung des Prozesses rechtskräftig freigesprochen und lebt in New York. Elsner hat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt.