Wien. (jm) Der frühere Bawag-Skandal ist um womöglich inkriminierende Details reicher geworden. 120 Politiker aus fast 50 verschiedenen Ländern tauchen in den sogenannten "Paradise Papers" auf, die Fortsetzung der im vergangenen Jahr veröffentlichten "Panama Papers", die neue Enthüllungen über Steueroasen bringen. Und sie bergen vermutlich interessante Spuren, die nach Österreich führen. Genauer gesagt: zur Bawag Ende der 1990er Jahre.

Mehr als eine Milliarde Euro hat die frühere Gewerkschaftsbank einst in der Karibik mit Spekulationen verloren, verantwortet vor allem durch den Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Dass er mit Währungsspekulationen einen "Totalverlust" machte, wie er betonte, daran zweifelten Gutachter, Nationalbankprüfer und Beobachter des Bawag-Prozesses schon damals. Wo das Geld geblieben war, konnte vom Gericht nicht geklärt werden und ist bis heute offen.

Flöttl ist mit einem Freispruch davongekommen. Nicht so der der frühere Bankchef Helmut Elsner, der viereinhalb Jahre in Haft verbracht hat. Elsner will aber nicht als Hauptschuldiger gelten und kämpft nach wie vor um seine Rehabilitierung. Elsner unterstellt dem damaligen Bawag-Banker Flöttl, das Geld "gestohlen" zu haben, wie er mehrfach erklärte. Flöttl bestreitet dies.

Aruba-Gesellschaften

In den "Paradise Papers", die der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt und nun publik wurden, taucht auch der Investmentbanker Wolfgang Flöttl auf. Demnach sind von Flöttl 1990 binnen eines Monats sieben Gesellschaften auf der Karibik-Insel Aruba gegründet worden, deren Direktor Flöttl war. Im Firmenregister ist er laut Ö1 als "Wolfgang Flottl" eingetragen. Zehn Jahre später löste er die Gesellschaften auf - nach dem angeblichen "Totalverlust" der Karibikgeschäfte, die bis 1999 liefen.

"Das überrascht mich nicht", sagte der Ex-Bawag-Chef Elsner Montag zur APA über die bisher unbekannten Firmen Flöttls. Elsner sehe in den neuen Fakten Beweise für seine Ansicht, dass Flöttl die verlorenen Bawag-Millionen gestohlen habe, sagte der 82-Jährige. Elsner beruft sich auf Unterlagen, die im Bawag-Prozess ausgeklammert wurden sowie auf Aussagen im Gerichtsgutachten.

Zeitraum "spannend"


"Ein Diebstahl kann’s nicht gewesen sein. Dazu gehört strafrechtlich was anderes. Es kann einfach eine Umleitung des Vermögens der Bawag gewesen sein", sagte Fritz Kleiner, der im Bawag-Prozess Gutachter war, zum ORF. Was nicht heißen solle, dass Flöttl etwas umgeleitet habe. Zu dieser Annahme hätte der Gutachter zu Prozesszeiten keinen Anlass gehabt. Wieso der Einsatz von mehr als einer Milliarde Euro nicht zum Erfolg geführt hat, sei Kleiner auch unklar. "Die Unterlagen, die ich hatte, haben mich auf keinen Weg geführt. Und ich habe es mir genau angeschaut."