Wien/München. (kle/apa/dpa) Der weltweite Personalabbau bei Siemens wird auch den Standort in Wien nicht ungeschoren lassen. "200 Stellen sollen bis 2020 und darüber hinaus gestrichen werden", sagte Michael Braun, Sprecher von Siemens Österreich, am Freitag. Demnach sollen also mehr als drei Prozent der Jobs in Wien in den nächsten Jahren abgebaut werden. In Summe hat der deutsche Siemens-Konzern derzeit etwa 5900 Mitarbeiter in Wien. Österreichweit liegt die Zahl der Beschäftigten bei rund 10.200.

Gespräche mit dem Betriebsrat gebe es bereits. Wie Braun weiter mitteilte, will Siemens versuchen, die betroffenen Mitarbeiter - bei ihnen handelt es sich um Beschäftigte der Geschäftssparte "Power & Gas" (Kraftwerksplanung) - in anderen Bereichen unterzubringen. In Österreich ist der börsennotierte Technologie-Riese in acht Geschäftsbereichen (darunter "Mobility", "Digital Factory", "Energy Management" oder "Building Technologies") tätig. Sein Jahresumsatz belief sich hierzulande zuletzt auf 3,3 Milliarden Euro.

Überschneidungen
mit Offenbach und Erlangen


Geplant ist, dass im Siemens-Konzern von den weltweit insgesamt 370.000 Jobs 6900 wegfallen, wobei zwei Werke in Deutschland - und zwar in Leipzig und Görlitz - zugesperrt werden sollen. Grund für das Zurückfahren des Personalstands ist vor allem die anhaltende Auftragsflaute in der Kraftwerksparte. Wegen des Trends zu erneuerbaren Energien sind Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, nicht mehr gefragt. "Darauf muss Siemens reagieren", sagte Braun. Daher sollen Standorte nun zusammengelegt werden. Bei den Aktivitäten in der Sparte Power & Gas gibt es Überschneidungen zwischen Wien und den deutschen Standorten Offenbach und Erlangen. In Zukunft sollen die Kapazitäten in Erlangen gebündelt sein.

Gemessen an der Zahl der Beschäftigten ist Wien mit 5900 Mitarbeitern der mit Abstand größte Österreich-Standort von Siemens. In der Steiermark beschäftigt der internationale Konzernriese 2400 Mitarbeiter, in Oberösterreich sind es 1240. Anders als in Wien soll es dort jedoch keinen Stellenabbau geben. Dies gilt auch für die wesentlich kleineren Standorte in Tirol (200 Mitarbeiter), Salzburg (160), Burgenland (130), Kärnten (80), Vorarlberg (70) und Niederösterreich (20). Braun zufolge sollen betriebsbedingte Kündigungen am Wiener Standort nach Möglichkeit vermieden werden.

In Berlin protestierten
1300 Siemens-Beschäftigte


In Deutschland, dem Heimatland von Siemens, ist der Unmut über die Abbaupläne groß - vor allem, weil der Konzern zuletzt insgesamt satte Gewinne gemacht hatte. An etlichen Standorten kam es am Freitag zu Protesten. Die deutsche Gewerkschaft kündigte erneut an, dass sie um jeden Arbeitsplatz kämpfen werde. In Berlin, wo 870 Stellen dem Sparstift zum Opfer fallen sollen, protestierten nach Angaben der IG Metall rund 1300 Mitarbeiter vor der Siemens-Zentrale.

Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn mahnte von der Konzernleitung ein Umdenken und Kompromissbereitschaft ein: "Diese Ankündigung von Standortschließungen und von Personalabbau, der angeblich aus Strukturgründen alternativlos ist, das ist für uns gar keine Basis für Verhandlungen."

Auch in Österreich hat sich die die Gewerkschaft hinter die Belegschaft gestellt. Dem Betriebsrat von Siemens Österreich sagte sie "volle Unterstützung" zu.